SpOn 14.01.2026
13:06 Uhr

Ukraine: Antikorruptionsbehörden durchsuchen Parteibüro von Julija Tymoschenko


Erneut erschüttern Korruptionsvorwürfe die Ukraine. Diesmal steht die Politikerin Julija Tymoschenko im Fokus. Sie wird verdächtigt, Abgeordnete bestochen zu haben. Ein abgehörtes Gespräch soll die Korruption zeigen.

Ukraine: Antikorruptionsbehörden durchsuchen Parteibüro von Julija Tymoschenko

Mutmaßlicher Stimmenkauf, ein abgehörtes Gespräch und bündelweise Geldscheine: Am Dienstagabend durchsuchten die ukrainischen Antikorruptionsbehörden Nabu und Sap das Büro der Vaterlandspartei von Julija Tymoschenko. Sie steht im Verdacht, das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten anderer Parlamentsgruppen mit Geldzahlungen beeinflusst zu haben. Tymoschenko war früher Ministerpräsidentin. Heute kontrolliert sie die drittgrößte Fraktion in der Rada, dem ukrainischen Parlament.

Nabu teilte die Vorwürfe auf der Plattform X mit und veröffentlichte zudem ein Foto von der Razzia. Darauf ist offenbar Tymoschenko mit verpixeltem Gesicht zu sehen. Vor ihr liegen auf einem Tisch bündelweise Geldscheine. Zudem teilte Nabu ein Video , das offenbar ein abgehörtes Gespräch der Politikerin mit einem Abgeordneten zeigen soll. Die Stimmen erklingen auf Russisch. Die weibliche Stimme flüstert und schlägt ein System für die Bezahlung von Abstimmverhalten vor. Bei einer Verurteilung drohen Tymoschenko bis zu zehn Jahre Haft.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Tymoschenko selbst schrieb nach der Razzia auf Facebook: »Über 30 bis an die Zähne bewaffnete Männer haben ohne Vorlage jeglicher Dokumente faktisch das Gebäude besetzt und die Mitarbeiter als Geiseln genommen.« Sie bezeichnete die Maßnahme als »PR-Aktion« und wies »alle absurden Anschuldigungen kategorisch zurück«. Es seien Telefone, Parlamentsdokumente und »persönliche Ersparnisse« beschlagnahmt worden, so Tymoschenko. Im vergangenen Juli hatte sie Nabu und Sap als Mittel ausländischer Kontrolle über die Ukraine kritisiert.

Mehr zum Thema

Tymoschenko hat die Politik der Ukraine viele Jahre mitgeprägt. 2005 und von 2007 bis 2010 war sie Ministerpräsidentin. Dreimal scheiterte die inzwischen 65-Jährige bei Präsidentschaftswahlen. Zwischen 2011 und 2014 saß sie nach einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs im Gefängnis. Die Verfahren gegen Tymoschenko wurden damals international als politisch motiviert kritisiert.

Im Herbst erschütterte schon mal ein Korruptionsskandal die Ukraine. Damals stand ein ehemaliger Geschäftspartner von Präsident Selenskyj im Fokus. Lesen Sie hier  mehr dazu.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, ein Telefongespräch sei womöglich abgehört worden. Wahrscheinlicher ist, dass es sich um ein direktes Gespräch handelte. Wir haben die entsprechenden Stellen angepasst.

atr/dpa