Ermittler der ukrainischen Antikorruptions-Behörden haben die Wohnung von Andrij Jermak durchsucht, dem Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj. »Die Ermittlungsmaßnahmen sind genehmigt und werden im Rahmen der laufenden Untersuchung vorgenommen«, teilt die Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung der Ukraine auf Telegram mit. »Weitere Einzelheiten folgen.«
Jermak bestätigte die Durchsuchung der Antikorruptions-Behörden Nabu und Sapo mit einem Post im Onlinedienst Telegram. »Es gibt keinerlei Behinderungen für die Ermittler. Ihnen wurde voller Zugang zur Wohnung gewährt, vor Ort sind meine Anwälte, die mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Von meiner Seite gibt es volle Unterstützung«, fügte er hinzu.
Jermak gilt nicht nur als rechte Hand Selenskyjs, er ist einer der einflussreichsten Männer in dem Land. Er ist auch die zentrale Figur bei den laufenden Verhandlungen mit den USA um ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Jermak führt das ukrainische Verhandlungsteam bei den Friedensgesprächen. Seine Ernennung als Delegationsleiter vorige Woche hatte Erstaunen bei politischen Beobachtern in Kyjiw ausgelöst, weil er wie Selenskyj im Zuge des Korruptionsskandals in Erklärungsnot geraten war.
Auch Ex-Verteidigungsminister Umjerow vorgeladen
Selenskyj und seine Regierung stehen seit Wochen wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck. (Mehr dazu lesen Sie hier .) In dem Skandal ist zuletzt auch Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow von Korruptionsfahndern vorgeladen worden. Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates gelte als Zeuge, meldete das Onlineportal Ukrajinska Prawda unter Berufung auf den Pressedienst der Behörde. Auch der 43-Jährige ist einer von Kyjiws Hauptunterhändlern bei den Gesprächen mit Russland und den USA.
Vor etwas mehr als zwei Wochen hatten ukrainische Korruptionsermittler Erkenntnisse über Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe im Energiesektor öffentlich gemacht. Energieministerin Switlana Hryntschuk und ihr inzwischen als Justizminister tätiger Vorgänger Herman Haluschtschenko wurden daraufhin entlassen. Es gab mehrere Festnahmen.
Der Hauptverdächtige und Vertraute von Präsident Selenskyj, Timur Minditsch, floh aus dem Land. In der Verdachtsmitteilung des Nationalen Antikorruptionsbüros (Nabu) gegen Minditsch hieß es, dieser habe unter anderem seine »freundschaftlichen Beziehungen zum Präsidenten der Ukraine« ausgenutzt, um sich zu bereichern. Die Ermittler hatten in dem Zusammenhang auch Korruption im Verteidigungssektor und Kontakte zwischen Minditsch und Umjerow beim Kauf von Schutzwesten für die Armee erwähnt.
Umjerow selbst hat wiederum jede Verwicklung in die Schmiergeldaffäre vehement bestritten. Den Posten des Verteidigungsministers bekleidete er von September 2023 bis Juli 2025.

