SpOn 04.01.2026
14:39 Uhr

Überfall auf Mallorca: Deutscher Auswanderer stirbt nach mehr als einem Jahr im Koma


Der Deutsche Ronald B. wurde im November 2024 in seiner Wahlheimat Palma von zwei Jugendlichen attackiert, seitdem lag er im Koma. Jetzt ist der Auswanderer gestorben. Die Hintergründe des Angriffs bleiben unklar.

Überfall auf Mallorca: Deutscher Auswanderer stirbt nach mehr als einem Jahr im Koma

Ronald B. sei am Samstag in einem Krankenhaus auf der spanischen Baleareninsel verstorben. Das berichtete die »Mallorca Zeitung« unter Berufung auf seinen Lebensgefährten. Die Anwältin des aus Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern stammenden Deutschen bestätigte die Information auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Die »Mallorca Zeitung« zitierte den Lebensgefährten wie folgt: »Seine Eltern haben entschieden, ihn von den lebenserhaltenden Maßnahmen zu trennen und ihm Morphin zu geben.« Auf einer Spendenwebsite , die ein früherer Arbeitskollege B.s betreibt, hieß es: »Heute hat Ronald seinen Kampf verloren.« Die übrigen und eventuell weiter ankommenden Spenden sollen nun vor allem dafür verwendet werden, B.s Familie zu unterstützen.

Der Auswanderer, der auf Mallorca als Projektleiter für ein Callcenter arbeitete, war am 30. November 2024 nach einer Weihnachtsfeier in Palma zu Fuß auf dem Heimweg zu seiner Wohnung, als er gegen drei Uhr morgens von zwei Minderjährigen attackiert wurde. Die Angreifer schlugen und traten auch dann noch auf den damals 58-Jährigen ein, als er bereits reglos am Boden gelegen habe, so die Ermittler damals.

Prozess gegen die Täter soll im Februar beginnen

B. sei auf dem Rückweg von einem Weihnachtsessen in Palmas Zentrum zu seiner Wohnung gewesen, berichtete die »Mallorca Zeitung« damals . Die Jugendlichen hätten B. ins Gesicht geschlagen, woraufhin dieser umfiel, mit dem Genick an den Gittern des Parks aufschlug und bewusstlos liegen blieb. »Es ist nicht klar, ob sie ihn umbringen wollten. Sie haben seinen Tod aber zumindest mutwillig in Kauf genommen«, hieß es laut der deutschsprachigen Inselzeitung im Protokoll der Ermittler.

Die Jugendlichen hätten dem Deutschen sein Handy und die Brieftasche abgenommen, danach seien sie geflohen. Ronald B. kam mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus und lag seitdem im Koma.

Die Hintergründe der Tat sind bislang nicht vollständig geklärt. Nach bisherigen Erkenntnissen wollten die Jugendlichen offenbar zwei Mädchen imponieren, die den Angriff auch beobachtet haben und inzwischen unter Zeugenschutz stehen. Etwa einen Monat nach der Tat nahm die Polizei die beiden Verdächtigen fest – einer war zuvor auf das spanische Festland geflohen. Seitdem sitzen beide in verschiedenen Jugendhaftanstalten in Haft. Der Prozess gegen sie soll im Februar beginnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Mord vor.

Ronald B. kam Anfang der Zehnerjahre nach Mallorca, um dort mit dem aus Ecuador stammenden Ricardo E. zusammenzuleben. Die beiden hatten sich zuvor in Hamburg kennengelernt. Auf Facebook administrierte B. ein Forum für Urlauber und eine Jobbörse. Er sei in der deutschen Mallorca-Community recht bekannt gewesen, schrieb die »Mallorca Zeitung« im März 2025. »Stell dir vor, du könntest deinem 9-to-5-Arbeitsleben Lebewohl sagen und stattdessen auf einer sonnigen Insel leben«, schrieb er den Angaben der Zeitung zufolge einmal auf seiner Facebook-Seite, wo er oft von seinem Leben auf Mallorca geschwärmt habe.

bor/dpa