SpOn 11.12.2025
01:32 Uhr

USA unter Donald Trump beschlagnahmen Öl-Tanker vor Venezuela – Nicolás Maduro beklagt »dreisten Raubüberfall«


Soldaten seilen sich vom Helikopter ab und übernehmen mit gezückten Waffen die Kontrolle über den Riesentanker: Ein Video soll zeigen, wie die USA vor Venezuelas Küste vorgehen. Die Regierung in Caracas reagiert erbost.

USA unter Donald Trump beschlagnahmen Öl-Tanker vor Venezuela – Nicolás Maduro beklagt »dreisten Raubüberfall«

Die amerikanische Justizministerin Pam Bondi hat Details zu dem Tanker genannt, den das US-Militär am Mittwoch vor der Küste Venezuelas unter seine Kontrolle gebracht haben will: Er soll demnach Teil eines illegalen Netzwerks zum Transport von Öl zur Unterstützung von ausländischen Terrororganisationen sein. Das Schiff sei für den Transport von sanktioniertem Öl aus Venezuela und Iran genutzt worden, schrieb Bondi auf der Plattform . Der Öltanker stehe seit mehreren Jahren unter Sanktionen der Vereinigten Staaten. Die Soldaten hätten nun einen Beschluss zur Beschlagnahmung vollstreckt.

Fast wortgleich äußerte sich auch FBI-Chef Kash Patel bei . Er und Bondi veröffentlichten zudem ein Video, das die Aktion zeigen soll. Zu sehen ist ein Tanker, dem sich ein Hubschrauber nähert. Soldaten seilen sich dann auf das Deck des Tankers ab und sichern das Schiff mit gezückten Waffen. Von der Mannschaft ist nichts zu sehen.

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An der Übernahme des Tankers waren laut Bondi und Patel die Küstenwache, das FBI und das Heimatschutzministerium beteiligt, mit Unterstützung des inzwischen als »Kriegsministerium« bezeichneten Pentagons.

Wohin das Schiff unterwegs war und unter welcher Flagge es fuhr, ist bisher unklar. Die »New York Times« berichtete unter Bezug auf einen ungenannten Mitarbeiter der Küstenwache, das Schiff fahre unter dem Namen »Skipper« und habe Öl der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft transportiert. Früher sei es mit dem Schmuggel iranischen Öls in Verbindung gebracht worden.

Das US-Heimatschutzministerium veröffentlichte das Video des Militäreinsatzes vor Venezuela ebenfalls auf seinem offiziellen X-Account. Hinterlegt wurde es dort  mit dem Song »Mama Said Knock You Out« des US-Rappers LL Cool J (Bondis und Patels Video ist tonlos).

Caracas droht mit Konsequenzen

Zuvor hatte sich bereits US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus zu dem Militäreinsatz geäußert. Er sprach von einem sehr großen Tanker, der größte, der jemals beschlagnahmt worden sei. Noch andere Dinge würden geschehen, kündigte Trump an, ohne Details zu nennen. Auf die Frage, was mit dem Öl geschehen werde, sagte er: »Wir behalten es, schätze ich.«

Die Regierung in Caracas sprach in einer ersten Reaktion  von einem »dreisten Raubüberfall« und einem »Akt internationaler Piraterie«. Man werde die Souveränität, die natürlichen Ressourcen und die Würde Venezuelas »mit absoluter Entschlossenheit verteidigen«, heißt es in der Erklärung des Außenministeriums.

»Jetzt zeigen sich die wahren Gründe für die andauernde Aggression gegen Venezuela.« Es gehe nicht um Migration, Drogenhandel, Demokratie oder Menschenrechte. »Es geht immer um unsere Bodenschätze, unser Öl, unsere Energie, um die Ressourcen, die ausschließlich dem Volk Venezuelas gehören.«

Trump über Maduro: »Seine Tage sind gezählt«

Der Vorfall geschieht inmitten wachsender Spannungen zwischen den USA und der venezolanischen Regierung von Präsident Nicolás Maduro. Seit September greift die US-Armee immer wieder Boote angeblicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik an. Dabei wurden bislang mindestens 87 Menschen getötet.

Beweise für eine Verbindung der versenkten Boote zum Drogenschmuggel legten die USA nicht vor. Experten äußern Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Angriffe. Auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth gerät aufgrund von Berichten über mögliche Kriegsverbrechen stark unter Druck (mehr dazu hier ).

Die USA haben außerdem zusätzliche Soldaten in der Karibik zusammengezogen und mehrere Kriegsschiffe in die Region verlegt, darunter den weltgrößten Flugzeugträger (hier  mehr zu Amerikas schwimmender Festung). Trump betonte mehrfach, dass er auch Einsätze an Land nicht ausschließt.

Auf die Frage, wie weit er gehen würde, um den autoritären Präsidenten Maduro aus dem Amt zu drängen, wollte Trump nicht antworten. Er betonte aber: »Seine Tage sind gezählt.«

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Venezuela hat riesige Ölvorkommen, ist stark von den Exporteinnahmen abhängig und liefert sein Öl vor allem an den US-Rivalen China. Maduro wirft den USA vor, es bei der Eskalation des Konflikts hauptsächlich auf dieses Öl abgesehen zu haben und einen Machtwechsel in Caracas erzwingen zu wollen.

aar/dpa/Reuters