SpOn 17.02.2026
03:10 Uhr

USA und Iran überbieten sich in Drohgebärden – kurz vor Beginn der Atomgespräche in Genf


In Genf treffen sich am Dienstag Vertreter der USA und Irans, um über eine Einigung im Atomstreit zu verhandeln. So viel steht schon jetzt fest: Die indirekten Gespräche finden vor massiver militärischer Drohkulisse statt.

USA und Iran überbieten sich in Drohgebärden – kurz vor Beginn der Atomgespräche in Genf

Kurz vor Beginn der indirekten Gespräche zwischen den USA und Iran im anhaltenden Atomstreit setzen beide Seiten auf gegenseitige Einschüchterung. Das US-Militär hat seine Luft- und Seestreitkräfte im Nahen Osten massiv aufgestockt, wie unter anderem der Sender CNN berichtet . Die Truppen werden sowohl zur Einschüchterung Teherans als auch als Option für einen Angriff innerhalb des Landes im Falle eines Scheiterns der Atomgespräche in Stellung gebracht: Das sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Quellen dem Sender.

Die britische BBC hat zudem eigenen Angaben zufolge anhand von Satellitenbildern die Position des Flugzeugträgers USS »Abraham Lincoln« in der Nähe Irans bestätigt. Der Flugzeugträger wurde Berichten zufolge Ende Januar in die Golfregion entsandt, er war jedoch bislang auf Satellitenbildern nicht zu sehen. Laut BBC  wurde die USS »Abraham Lincoln« nun vor der Küste Omans geortet, etwa 700 Kilometer von Iran entfernt.

Der von zwei Atomreaktoren angetriebene Flugzeugträger transportiert normalerweise mehrere Tausend Soldaten sowie Dutzende Kampfflugzeuge und wird von Zerstörern der Marine begleitet (mehr dazu, warum ein US-Angriff auf Iran ein enormes Risiko wäre, erfahren Sie hier ).

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Vertreter Irans und der USA wollen am Dienstag in Genf ihre Verhandlungen im Atomstreit fortsetzen. Es ist die zweite Runde indirekter Gespräche, erneut unter Vermittlung des Golfstaats Oman. Ort der Verhandlungen von Irans Außenminister Abbas Araghchi und den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner ist laut iranischen Medien die omanische Botschaft.

Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um Irans umstrittenes Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen baut. Irans Regierung zeigt sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Über andere Themen, die die USA aufgebracht haben, will die Islamische Republik nicht reden – dazu zählen eine Ausdünnung des Raketenarsenals oder ein Ende der Unterstützung militanter Gruppen.

Revolutionswächter beginnen offenbar Manöver in Straße von Hormus

Die Gespräche erfolgen vor dem Hintergrund einer militärischen Drohkulisse der Vereinigten Staaten: Im Januar ließ Irans Staatsapparat Massenproteste im eigenen Land brutal niederschlagen (mehr dazu hier ). US-Präsident Donald Trump drohte der iranischen Führung daraufhin mit einem militärischen Eingreifen und ließ die Militärpräsenz rund um Iran verstärken.

Erst am vergangenen Freitag erklärte der US-Präsident, einen weiteren Flugzeugträger-Verband »zeitnah« in den Nahen Osten zu schicken. Laut US-Medien soll es sich um den in der Karibik stationierten Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford«  handeln, den modernsten Flugzeugträger der US-Marine.

Am Montag drohte Trump in Richtung Iran: »Ich glaube nicht, dass sie die Konsequenzen wollen, wenn kein Abkommen zustande kommt.« Er werde an den Gesprächen in Genf »indirekt« beteiligt sein, fügte er hinzu. Details nannte er nicht. Greift Donald Trump an oder lässt sich ein Krieg mit Iran noch verhindern? Lesen Sie hier die Einschätzung eines Iranexperten .

Mehr zum Thema

Unmittelbar vor Beginn der Gespräche in Genf haben die iranischen Revolutionswächter laut Staatsmedien ein Militärmanöver in der Straße von Hormus begonnen. Es diene der Vorbereitung »potenzieller Sicherheits- und militärischer Bedrohungen« in der strategisch wichtigen Wasserstraße, wie das iranische Staatsfernsehen am Montag berichtete. Eine Dauer der Militärübung wurde nicht genannt.

Teheran hat bereits mehrfach damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren (mehr dazu hier ). Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean – und über sie werden etwa 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion transportiert. Die Straße von Hormus ist nicht das einzige Nadelöhr, dessen Blockade die weltweite Erdöl- und Erdgasversorgung gefährden würde. Der SPIEGEL zeigt hier die riskantesten Passagen der Weltmeere .

aar/dpa/AFP