SpOn 29.11.2025
22:43 Uhr

USA-Venezuela-Konflikt: Donald Trump soll Nicolás Maduro am Telefon gedroht haben


Der US-Präsident will einen Regierungswechsel in Caracas, notfalls mit Gewalt. Das soll er Präsident Maduro in einem Telefonat mitgeteilt haben. Wenige Tage später erklärt Trump den Luftraum über Venezuela für geschlossen.

USA-Venezuela-Konflikt: Donald Trump soll Nicolás Maduro am Telefon gedroht haben

Inmitten der Spannungen zwischen den USA und Venezuela haben die Präsidenten Donald Trump und Nicolás Maduro offenbar miteinander telefoniert. Das »Wall Street Journal« und die »New York Times« berichten jeweils unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen von einem Gespräch in der vergangenen Woche.

Nach Informationen des »Wall Street Journal« sprachen die beiden dabei über Forderungen Venezuelas nach einer Generalamnestie für Maduro, seine hochrangigen Berater und deren Familien. Viele von ihnen sähen sich mit finanziellen Sanktionen der USA und Anklagen konfrontiert, hieß es. Trump soll Maduro laut dem Bericht gesagt haben, dass die USA andere Optionen in Betracht ziehen, falls er nicht freiwillig seinen Platz räume. Er drohte demnach auch die Anwendung von Gewalt an.

USA erhöhen militärische Präsenz

Laut »New York Times« soll es bei dem Telefonat außerdem um ein mögliches künftiges Treffen der beiden in den USA gegangen sein. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Zeitung allerdings, dass es aktuell keine Pläne für eine solche Zusammenkunft gebe. Das Weiße Haus äußerte sich den Medienberichten zufolge auf Anfrage nicht zu dem Telefonat.

Die USA erhöhen seit Wochen den Druck auf Venezuela und den autoritären Linkspolitiker Maduro. Sie zogen zusätzliche Soldaten in der Karibik zusammen und verlegten unter anderem das größte Kriegsschiff der Welt, den Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford«, in die Region. Offiziell begründet die US-Regierung ihr Vorgehen mit dem Kampf gegen Drogen. Doch angesichts des Ausmaßes ihres militärischen Aufgebots steht schon länger die Vermutung im Raum, dass sie womöglich einen Machtwechsel in Caracas anstreben könnte.

»Kolonialistische Drohung«

Am Samstag erklärte Trump dann den Luftraum über dem südamerikanischen Land für »geschlossen«. Auf Onlineplattformen veröffentlichte Trump am Samstag eine Warnung »an alle Fluggesellschaften, Piloten, Drogenhändler und Menschenschmuggler«. Diese sollten »bitte den Luftraum über und um Venezuela in seiner Gesamtheit als geschlossen ansehen«, hieß es.

Es war nicht unmittelbar klar, ob sich aus dem Posting direkte Folgen ergeben. Laut internationalem Recht haben Länder selbst das Recht, unabhängig über ihren Luftraum zu bestimmen, erklärt der internationale Fluglotsenverband IFATCA auf seiner Webseite.

Die venezolanische Regierung jedenfalls reagierte prompt und bezeichnete Trumps Aussage als »kolonialistische Drohung«, die darauf abziele, die »territoriale Integrität, die Flugsicherheit und die Souveränität« des Landes zu untergraben. Das Außenministerium erklärte zudem, es handele sich um eine »extreme, illegale und ungerechtfertigte Aggression gegen das venezolanische Volk«.

Die USA betrachten Maduro nicht als legitimen Präsidenten. Wie die EU und viele lateinamerikanische Staaten zweifeln sie das offizielle Ergebnis der von Betrugsvorwürfen begleiteten Präsidentenwahl 2024 an. Die Vereinigten Staaten werfen Maduro außerdem vor, tödliche Drogen in die USA zu bringen. Auf Informationen, die zu seiner Festnahme führen, ist eine Belohnung von bis zu 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro) ausgesetzt.

lrm/dpa