SpOn 01.12.2025
23:22 Uhr

USA: Weißes Haus verteidigt Pete Hegseth nach Angriffen in der Karibik


Hat Pete Hegseth angeordnet, Überlebende eines US-Angriffs in der Karibik in einem zweiten Schlag zu töten? Die Kritik an Donald Trumps Verteidigungsminister ebbt nicht ab. Nun reagiert das Weiße Haus.

USA: Weißes Haus verteidigt Pete Hegseth nach Angriffen in der Karibik

Nach Berichten über einen möglicherweise völkerrechtswidrigen US-Angriff auf ein Boot in der Karibik stellt sich das Weiße Haus hinter Pentagon-Chef Pete Hegseth. Der Minister habe die Operation autorisiert, räumte Sprecherin Karoline Leavitt ein. Zugleich wies sie aber Darstellungen zurück, wonach Hegseth einen zweiten Schlag auf dasselbe Boot persönlich angeordnet habe.

Hintergrund sind Berichte des Senders CNN und der »Washington Post« aus der vergangenen Woche, wonach das US-Militär am 2. September ein angebliches Drogenschmugglerboot in der Karibik zunächst mit einem Schlag angegriffen und zwei überlebende Männer anschließend durch einen zweiten Schlag getötet haben soll. Der zweite Angriff könnte laut Experten gegen das Völkerrecht verstoßen haben – die Männer hatten sich der »Washington Post« zufolge an das schwelende Wrack geklammert und stellten keine unmittelbare Bedrohung dar.

Berichte: Hegseth ordnete an, »alle zu töten«

Seit Wochen greift das US-Militär Boote mit angeblichen Drogenschmugglern in der Karibik und im Pazifik an. Die rechtliche Grundlage der Operationen ist allgemein umstritten. Insgesamt tötete das US-Militär seit Beginn der Angriffe rund 80 Menschen. Bei dem Schlag am 2. September – es war der erste bekannte dieser Art – wurden nach Angaben der US-Regierung elf Menschen getötet.

Angebliches Drogenboot in der Karibik

Angebliches Drogenboot in der Karibik

Foto:

President Donald J. Trump / Bestimage / IMAGO

Beide Medien berichteten, Hegseth habe zuvor selbst die Anweisung gegeben, »alle zu töten«. Laut CNN ist aber unklar, ob der Minister vor dem zweiten Angriff von den Überlebenden wusste. Nach Informationen der »Washington Post« wurde der zweite Schlag angeordnet, nachdem die Überlebenden gesichtet worden waren, um Hegseths Anweisung zu erfüllen.

Hegseth spricht von »fabrizierten« Berichten

Hegseth hat die Vorwürfe im Kontext der Schläge am 2. September zurückgewiesen. Auf der Plattform X sprach er von »fabrizierten« Medienberichten, die darauf abzielten, das US-Militär zu diskreditieren. Präsident Donald Trump stellte sich hinter seinen Minister. Auf die Frage, ob ein solcher Befehl akzeptabel wäre, sagte der Republikaner über Hegseth: »Er sagt, er hat es nicht getan, also muss ich diese Entscheidung nicht treffen.«

In der Pressekonferenz im Weißen Haus am Montag hakten dann mehrere Reporter hartnäckig bei Sprecherin Leavitt nach, wer den zweiten Schlag angeordnet habe und ob bewusst keine Überlebenden zurückgelassen wurden. Leavitt erklärte, Hegseth habe den zuständigen Admiral autorisiert, die Schläge auszuführen. Sie sagte nicht, dass Hegseth den zweiten Schlag direkt angeordnet habe und betonte stattdessen, der Admiral habe »innerhalb seiner Befugnisse und des Gesetzes gehandelt«.

Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford«

Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford«

Foto:

US Navy / REUTERS

Auf die Frage, welches Recht es erlaube, Überlebende gezielt zu töten, erklärte die Sprecherin, der Angriff sei »zur Selbstverteidigung« erfolgt und »im Einklang mit dem Recht bewaffneter Konflikte« durchgeführt worden.

Kritik von Demokraten und einigen Republikanern

Der demokratische Senator Mark Kelly zeigte sich besorgt. Angehörige des US-Militärs müssten die Gesetzeslage kennen, sagte er und forderte eine Untersuchung des Vorfalls. Ein »unqualifizierter Verteidigungsminister« habe aber dafür wichtiges Personal entlassen. Hegseth laufe herum und rede von »Kriegermentalität und darüber, Menschen zu töten«, kritisierte Kelly den selbst ernannten Kriegsminister. Das sei »nicht die Botschaft, die vom Verteidigungsminister kommen sollte«, erklärte er weiter.

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Auch der republikanische Senator Rand Paul kritisierte das Vorgehen von Hegseth: »Nach den Gesetzen und Gebräuchen der ehrenhaften Kriegsführung ist es nicht erlaubt, keine Gnade zu gewähren – tödliche Gewalt gegen diejenigen anzuwenden, die sich ergeben oder die verletzt, schiffbrüchig oder anderweitig kampfunfähig sind«, schrieb Paul er auf der Plattform X .

jmm/dpa