SpOn 25.11.2025
07:45 Uhr

USA: Überlebende des Tulsa-Massakers mit 111 Jahren gestorben


Ein rassistischer Mob tötete 1921 in Tulsa mehr als 300 Schwarze. Viola Fletcher war damals sieben Jahre alt. Nun ist sie gestorben, sie war eine der beiden letzten noch lebenden Augenzeugen.

USA: Überlebende des Tulsa-Massakers mit 111 Jahren gestorben

Am Montag ist Viola Fletcher gestorben, mit ihren 111 Jahren war sie die älteste noch lebende Augenzeugin des Massakers von Tulsa im Jahr 1921. Dies teilte der Bürgermeister der Stadt im US-Bundesstaat Oklahoma im Süden der USA mit. Fletcher war sieben Jahre alt, als in der Nacht zum 1. Juni 1921 ein Mob weißer Angreifer im wohlhabenden Schwarzenviertel Greenwood wütete.

Die Täter töteten rund 300 Menschen, die meisten von ihnen waren schwarz. Der Mob brannte Häuser nieder und plünderte zudem Geschäfte. Trotz der damals in den USA noch gesetzlich verankerten Diskriminierung Schwarzer war Greenwood ein Ort, an dem eine sehr erfolgreiche Schwarze Gemeinschaft gewachsen war. Das Viertel wurde daher häufig als »Schwarze Wall Street« bezeichnet.

Klage auf Entschädigung abgewiesen

Im Jahr 2020 verklagte Fletcher die Stadt Tulsa auf Entschädigungen. Mit ihr klagten ihr Bruder Hughes Van Ellis und eine weitere Überlebende, Leslie Benningfield Randle. Van Ellis starb 2023 im Alter von 102 Jahren. Randle ist nun die letzte bekannte lebende Augenzeugin.

Die Klage wurde vom Obersten Gerichtshof Oklahomas abgewiesen. Allerdings kündigte im Juni die Stadt Tulsa einen Treuhandfonds in Höhe von 105 Millionen Dollar an, um die anhaltenden Auswirkungen des Massakers zu bewältigen. Bei einer Anhörung vor dem US-Kongress im Jahr 2021 sagte Fletcher, sie könne noch immer die Leichen auf der Straße sehen und den Rauch riechen. »Ich durchlebe das Massaker jeden Tag«, sagte Fletcher damals.

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Zum 100. Jahrestag des Massakers besuchte der damalige US-Präsident Joe Biden im Jahr 2021 die Stadt Tulsa und traf Fletcher, Van Ellis und Randle. »Meine amerikanischen Mitbürger, das war kein Aufstand. Das war ein Massaker. Eines der schlimmsten in unserer Geschichte«, sagte Biden in seiner Rede. Der Hass von damals spiegele sich in den rechtsradikalen Aufmärschen von Charlottesville 2017 und dem Sturm auf das US-Kapitol 2021 durch Anhänger seines Vorgängers Donald Trump wider, so Biden damals.

dtt/Reuters