Die Federführung für die Abschreckung Nordkoreas will das Pentagon künftig Südkorea überlassen, für sich selbst sieht es eine begrenztere Rolle in dem Rahmen. Das geht aus einem Strategiepapier des US-Verteidigungsministeriums hervor, das am Freitag veröffentlicht wurde. Das Dokument bestimmt die Politik des Pentagon.
»Südkorea ist in der Lage, die Hauptverantwortung für die Abschreckung Nordkoreas zu übernehmen, mit entscheidender, aber begrenzterer Unterstützung der USA«, heißt es in der neuen Nationalen Verteidigungsstrategie. In Seoul dürfte der Schritt Besorgnis auslösen.
In dem umfassenden Dokument heißt es, dass die Priorität des Pentagon die Verteidigung des Heimatlandes und die Abschreckung Chinas sei. In der indopazifischen Region, so das Dokument, konzentriere sich das Pentagon darauf, sicherzustellen, dass China die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten nicht dominieren könne. Die Verlagerung der Verantwortung stehe im Einklang mit dem Interesse der USA, die Aufstellung der US-Streitkräfte auf der koreanischen Halbinsel zu modernisieren, heißt es in dem Dokument weiter. Derzeit sind etwa 28.500 US-Soldaten in Südkorea stationiert.
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In den vergangenen Jahren hatten US-Vertreter den Wunsch geäußert, US-Truppen in Südkorea flexibler einsetzen zu können, etwa zur Verteidigung Taiwans oder zur Eindämmung des wachsenden militärischen Einflusses Chinas. Südkorea hat sich dieser Idee widersetzt, jedoch in den vergangenen 20 Jahren seine eigenen Verteidigungsfähigkeiten ausgebaut, mit dem Ziel, im Kriegsfall das Kommando über die kombinierten US-amerikanisch-südkoreanischen Streitkräfte übernehmen zu können. Das Land verfügt über 450.000 Soldaten.
