Elf Menschen starben, als die USA im September erstmals ein angebliches Drogenboot in der Karibik versenkt hatten. Bei dem Einsatz sollen die US-Streitkräfte ein als zivile Maschine getarntes Flugzeug eingesetzt haben. Das berichtet die »New York Times« mit Verweis auf Beamte, die mit der Operation vertraut waren. Die Waffen seien dabei im Rumpf statt sichtbar unter den Flügeln transportiert worden.
Es ist hochumstritten, ob die tödlichen Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmuggler in internationalen Gewässern völkerrechtlich zulässig sind. Die Argumentation der US-Regierung ist, dass man sich in einem bewaffneten Konflikt mit Drogenkartellen befinde. Dieser Argumentation folgend, wäre die Tarnung als ziviles Flugzeug ein bedeutendes Detail. Ein ehemaliger Rechtsexperte der US-Luftwaffe, Steven J. Lepper, sagte der »New York Times«, eine Attacke, bei der ein Flugzeug auf die Angegriffenen als nicht militärische Maschine wirke, werde nach den Regeln bewaffneter Konflikte als Kriegsverbrechen gewertet.
Die »New York Times« sprach zudem mit Personen, die ein Video des Angriffs gesehen hatten. Ihren Schilderungen zufolge sei das Flugzeug so tief geflogen, dass Insassen des Bootes es gut gesehen hätten. Bei dem Angriff im September gab es nach offiziellen Angaben zwei Überlebende, die dann bei einer weiteren Attacke getötet wurden. Bei späteren Attacken wurde der »New York Times« zufolge übliches Kriegsgerät wie unter anderem »Reaper«-Drohnen eingesetzt.
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Seit Anfang September greifen die US-Streitkräfte immer wieder Schnellboote in der Karibik und im Pazifik an, die mit Rauschgift beladen sein sollen. Bei bislang rund 30 Attacken wurden offiziellen Angaben zufolge über 100 Menschen getötet. Der Bericht der »New York Times« dürfte die Debatte über die Einsätze gegen angebliche Drogenboote weiter befeuern.
