Die Raffinerien an der US-Golfküste kämpfen nach dem Abschluss eines Liefervertrages zwischen den Regierungen in Washington und Caracas mit dem rasanten Anstieg der Öllieferungen aus Venezuela. Das Überangebot drückt Händlern und Schifffahrtsdaten zufolge auf die Preise und führt dazu, dass etliche Ladungen unverkauft bleiben.
Die schwache Nachfrage erschwert die Pläne von US-Präsident Donald Trump, das Öl des südamerikanischen Landes vorrangig in die USA zu leiten. »Wir stehen alle vor dem Problem, dass es mehr Angebot als Abnehmer gibt«, sagte ein Händler.
Die Exporte in die USA haben sich im vergangenen Monat auf 284.000 Barrel pro Tag fast verdreifacht. Aus Sicht von Raffinerien sind die Preise im Vergleich zu konkurrierenden kanadischen Sorten zu hoch.
Raffinerien bevorzugen deshalb günstigere Alternativen aus Kanada, was Händler in Schwierigkeiten bringt.
US-Regierung setzt auf Abnahme aus Indien
Während venezolanisches Schweröl zuletzt mit einem Abschlag von etwa 9,50 Dollar pro Barrel zur Nordsee-Sorte Brent angeboten wurde, wurde kanadisches WCS-Öl am Dienstag mit einem noch attraktiveren Abschlag von rund 10,25 Dollar gehandelt.
Die Handelshäuser Vitol und Trafigura, die neben dem US-Konzern Chevron Lizenzen für den Export erhielten, haben nun Mühe, Käufer zu finden.
Eine Entlastung für den Markt könnte aus Indien kommen. Der indische Mischkonzern Reliance Industries erwägt Importe, nachdem Trump am Montag ein Handelsabkommen mit Neu-Delhi verkündet hatte. Dieses sieht vor, dass Indien im Gegenzug für US-Zollsenkungen kein russisches Öl mehr kauft und stattdessen auf Lieferungen aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela setzt.
China, ehemals der wichtigste Abnehmer, fällt dagegen derzeit aus. Seit Jahresbeginn wurden keine Lieferungen mehr dorthin verzeichnet, und der Staatskonzern PetroChina hat Händler angewiesen, das Geschäft vorerst ruhen zu lassen.
Hintergrund der Marktturbulenzen ist der politische Umbruch in Caracas. US-Spezialkräfte hatten den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im vergangenen Monat bei einem Zugriff in der Hauptstadt festgenommen und in die USA gebracht.
Danach schloss die US-Regierung ein Lieferabkommen im Volumen von zwei Milliarden Dollar mit der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez. Washington hat angekündigt, die Ölverkäufe des Landes auf unbestimmte Zeit zu kontrollieren, was die traditionellen Handelsströme verlagert hat.
Venezuela erhält Geld aus Ölverkauf
Wie bekannt wurde, haben die USA der venezolanischen Regierung die gesamten 500 Millionen Dollar aus dem ersten Ölverkauf zurückgegeben, der Teil der Vereinbarung zwischen Caracas und Washington war. Das teilte ein US-Beamter am Dienstag mit.
Die letzten 200 Millionen Dollar aus dem Verkauf seien nach Venezuela überwiesen worden, sagte der Beamte, der anonym bleiben wollte. Damit habe Venezuela offiziell die gesamten 500 Millionen Dollar aus dem ersten venezolanischen Ölverkauf erhalten.
Das Geld soll demnach »nach Ermessen der US-Regierung zum Wohle des venezolanischen Volkes ausgezahlt werden«.
Außenminister Marco Rubio hatte während einer Anhörung im Kapitol erklärt, dass die Beteiligung der USA am Verkauf von venezolanischem Öl eine kurzfristige Maßnahme sei. Sie ziele darauf ab, das Land zu stabilisieren, die Regierung am Leben zu erhalten und der Bevölkerung zu helfen.
Im Wesentlichen hätten die USA Venezuela erlaubt, mit Ölverkäufen Einnahmen zu generieren, um einen Zusammenbruch des Staates zu verhindern.
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