Nach jahrelangen Verhandlungen über Entschädigungen für Missbrauchsopfer ist es in New Orleans zu einer Einigung vor Gericht gekommen. Die Erzdiözese zahlt 230 Millionen Dollar an Hunderte Menschen. Das sei Teil einer Einigung mit den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche, berichteten mehrere US-Medien.
Das Oberhaupt der Erzdiözese sagte Reportern vor dem Gerichtsgebäude: »Dies war ein langer Prozess, nicht nur für uns, sondern vor allem für die Überlebenden, denen unsere Gebete gelten. Wir bedauern zutiefst, was sie in der Vergangenheit erlebt haben.«
Kirche muss Alarmsystem verbessern
Die Erzdiözese meldete im Mai 2020 Insolvenz an, wodurch die Missbrauchsklagen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens gebündelt wurden. Dadurch wird nicht jeder Vorwurf einzeln umfassend aufgearbeitet und verhandelt, was von einigen einigen Betroffenen kritisiert wurde. Anfang dieses Monats hatten einige der mehr als 500 Missbrauchsopfer vor Gericht ausgesagt.
Anwälte der Erzdiözese erklärten nach Angaben des NBC-Senders WDSU-News, dass das Geld vor Ende des Jahres für die Opfer bereitstehen werde. Die Einigung sieht demnach auch vor, dass die Erzdiözese ihr Alarmsystem überarbeitet, damit im Fall sexuellen Missbrauchs die Strafverfolgungsbehörden schneller benachrichtigt werden.
Rekordsummen in New York?
Auch in New York wird aktuell über Entschädigungszahlen verhandelt. Die katholische Erzdiözese New York und mehr als 1300 Kläger wollen in einem zweimonatigen Mediationsverfahren eine Einigung erzielen. Das Ergebnis könnte zu einer der höchsten Entschädigungszahlungen in der Geschichte der US-Kirche führen. Die Vorwürfe gegen Priester und kirchliche Mitarbeiter reichen von 1952 bis 2020.
Die Erzdiözese erklärte, sie hoffe, durch den Verkauf von Immobilien und Kostensenkungen 300 Millionen Dollar für die Opfer aufbringen zu können.
Im vergangenen Oktober hatte sich bereits die Erzdiözese Los Angeles auf einen Vergleich von insgesamt 880 Millionen US-Dollar eingelassen. Auch damals ging es um Hunderte Opfer durch jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch durch Geistliche. Die Gesamtsumme der Entschädigung könnte den bisherigen Rekord übertreffen. Der pensionierte Richter, der damals als Mediator fungierte, leitet auch die Verhandlungen im New Yorker Fall.
