Großbritannien und Nordirland haben Zollfreiheit für Pharmaexporte in die USA ausgehandelt. Im Gegenzug soll der National Health Service (NHS), der Gesundheitsdienst des Vereinigten Königreichs, mehr Geld für neue US-Medikamente ausgeben können. Der Nettopreis dieser Medikamente soll sich demnach um 25 Prozent erhöhen.
Möglich wird das unter anderem durch eine Änderung des Bewertungsrahmens von NICE, der britischen Behörde, die über die Kosteneffizienz neuer Arzneimittel für den NHS entscheidet. Zudem sollen sich die Zahlungen der Pharmaunternehmen an den NHS reduzieren: Die bisherige Regelung sieht vor, dass die Konzerne einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf von Medikamenten zurückzahlen müssen.
Die Zollfreiheit soll drei Jahre lang gelten. Nach Angaben der Regierung ist Großbritannien das weltweit erste Land, das ein solches Übereinkommen geschlossen hat. US-Präsident Donald Trump hatte den Briten im September noch mit Zöllen von bis zu hundert Prozent gedroht, davon war er aber wieder abgerückt. Die Trump-Regierung werde im Rahmen der Einigung auch darauf verzichten, »die Preisgestaltung britischer Pharmaunternehmen ins Visier zu nehmen«, hieß es in einer Mitteilung.
Pharmaprodukte gehören zu den wichtigsten Exportgütern der Briten in die USA. Laut der BBC sind die Vereinigten Staaten der größte Markt für die britischen Pharmakonzerne GSK und AstraZeneca. Beide investieren Milliardenbeträge in den USA.
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Trump und der britische Premier Keir Starmer hatten vor rund einem halben Jahr ein Abkommen geschlossen, das die Zölle auf die meisten britischen Exporte auf zehn Prozent begrenzt. Zuvor hatte Trump teils Zölle auf Pharmaimporte erhoben, obwohl der Handel mit diesen vor seiner Amtszeit weitgehend zollfrei war. Für Importe vieler Arzneimittel aus der EU gilt in den USA derzeit ein Zollsatz von 15 Prozent.
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