Donald Trump arbeitet sich derzeit regelmäßig an Kanada und dessen Premier Mark Carney ab. Das neueste Kapitel hat der US-Präsident am Donnerstag (Ortszeit) aufgeschlagen: Er drohte dem Nachbarland mit einem neuen Strafzoll in Höhe von 50 Prozent für den Import von Flugzeugen. Zudem erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social, sämtlichen Maschinen des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier und allen anderen dort hergestellten Jets werde die US-Genehmigung entzogen.
Als Grund für den Entzug und den möglichen Strafzoll nannte Trump den Umgang der kanadischen Behörden mit Gulfstream, einem US-Hersteller von Geschäftsflugzeugen. Kanada habe mehreren Modellen des Bombardier-Konkurrenten keine Betriebsgenehmigungen erteilt und damit im Prinzip deren Verkauf in dem Nachbarland verboten, klagte Trump. Sollte dies nicht »sofort korrigiert« werden, werde er eine zusätzliche Importgebühr von 50 Prozent verhängen, drohte der Präsident .
Trump greift häufig zu Zöllen, um seinen Willen durchzusetzen. Davon bleiben auch traditionell enge Verbündete wie Kanada nicht verschont. Bisweilen nutzt Trump Zölle aber auch nur als Drohgebärde und setzt diese letztlich nicht um.
Erst vor wenigen Tagen hatte Trump Kanada mit horrenden Zöllen gedroht, um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit des Nachbarn mit China zu verhindern. Sollte die kanadische Regierung einen Deal mit der Volksrepublik schließen, würden alle Importe aus Kanada mit einem 100-Prozent-Zollsatz belegt, schrieb er auf Truth Social.
Kanadas Premierminister Carney, der – ebenso wie sein Vorgänger Justin Trudeau – in der Vergangenheit diverse Streitigkeiten mit Trump auszutragen hatte, war im Januar nach Peking gereist und kündigte danach eine engere Zusammenarbeit mit China an. So nimmt Kanada einen Teil seiner Zölle auf chinesische Elektroautos zurück, im Gegenzug will China Handelshemmnisse für kanadische Agrarprodukte wie Raps abbauen.
Eindringliche Rede in Davos
Nach seiner Chinareise fiel Carney beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit einer eindringlichen Rede auf, die auch als Kritik an Trump und dessen aggressiver »America First«-Politik verstanden wurde (mehr dazu hier ). Der US-Präsident hatte mehrfach davon gesprochen, dass Kanada als Bundesstaat in die USA integriert werden sollte.
Kanadas Premier lässt sich von den Sticheleien und Provokationen aus Washington bisher nicht beeindrucken. So hatte etwa zuletzt US-Finanzminister Scott Bessent behauptet, Carney habe einige seiner US-kritischen Äußerungen aus seiner Davos-Rede in einem Telefonat mit Trump zurückgenommen.
Daraufhin widersprach der kanadische Premier deutlich. »Um es ganz klar zu sagen, und das habe ich auch dem Präsidenten gesagt: Ich habe gemeint, was ich in Davos gesagt habe«, sagte Carney zuletzt vor Journalisten. Bei einer anschließenden Kabinettssitzung sagte Carney: »Die Welt hat sich verändert, Washington hat sich verändert. Es gibt derzeit fast nichts Normales mehr in den USA, und das ist die Wahrheit.«
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In Davos hatte Carney unter anderem gesagt, dass die alte, regelbasierte Weltordnung vorüber sei. Aus diesem Grund müssten sich sogenannte Mittelmächte zusammentun. »Denn wenn man nicht am Tisch sitzt, steht man auf der Speisekarte«, so Carney in Davos.
