Bereits im vergangenen Jahr unterzeichnete Donald Trump ein Dekret, mit dem der US-Präsident Einfluss auf die Geschichtsschreibung seines Heimatlands nehmen will: »Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte« lautete der Titel. Er selbst sprach davon, staatliche Museen von »unangemessener Ideologie« säubern zu wollen. Konkret bedeutete das vor allem, Museen auf Darstellungen im Sinne seiner Regierung zu bringen.
Wie Trump die Geschichte verwässert, lässt sich aktuell in der National Portrait Gallery in Washington besichtigen, die zur berühmten Smithsonian Institution gehört. Zuvor hing dort ein Porträt Trumps – mitsamt einer Infotafel über seine erste Amtszeit und Wiederwahl, die auch über die beiden Amtsenthebungsverfahren des Präsidenten informierte.
»Er wurde zweimal angeklagt, wegen Machtmissbrauchs und Anstiftung zum Aufstand, nachdem Anhänger am 6. Januar 2021 das US-Kapitol gestürmt hatten, und in beiden Verfahren vom Senat freigesprochen«, hieß es dort. Bereits vor Monaten hatte sich ein Mitarbeiter Trumps konkret über diese Passage beschwert – nun wurde sie ausgewechselt, wie unter anderem die »Washington Post« berichtet .
Auf dem neuen Schwarz-Weiß-Porträt stützt sich Trump mit beiden Fäusten auf den »Resolute Desk« im Oval Office. Auch die Infotafel wurde überarbeitet: Darauf ist Trump lediglich als 45. und 47. Präsident ausgewiesen, auch sein Geburtsjahr ist vermerkt.
NEW at the National Portrait Gallery in Washington, D.C.:
— The White House (@WhiteHouse) January 10, 2026
President Donald J. Trump. pic.twitter.com/UbHweGydaX
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Neue Beschriftungen nur mit allgemeinen Informationen
Ob die Trump-Regierung die Änderungen angefordert hatte, wollten auf Anfrage der »Washington Post« weder die Smithsonian Institution noch das Weiße Haus direkt beantworten. Die renommierte Institution wird zwar größtenteils vom US-Kongress finanziert, ist in ihren Entscheidungen allerdings grundsätzlich von der Regierung unabhängig.
Die National Portrait Gallery nennt hingegen eigene Gründe für die ausgewechselte Infokachel: Für einige neue Ausstellungen und Exponate »erkunde« man Beschriftungen und Zitate, die nur allgemeine Informationen wie den Namen des Künstlers enthielten, heißt es in einer Erklärung gegenüber der »New York Times«. Die Geschichte der Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidenten werde demnach weiterhin in eigenen Museen dargestellt.
Die Infokachel des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton ist von den Neuerungen zumindest bislang ausgenommen. Darauf ist nach wie vor ein Hinweis zu seinem Amtsenthebungsverfahren zu finden, das sich um seine Affäre mit der damaligen Praktikantin Monica Lewinsky gedreht hatte.
Kulturkampf gegen das renommierte Smithsonian Institute
Auf die berühmte Smithsonian Institution hatte Trump es zuletzt besonders abgesehen. Sie betreibt insgesamt 21 Museen, 14 Bildungs- und Forschungszentren und den Nationalzoo, vorwiegend in der Bundeshauptstadt Washington, D.C. Die Institution wurde 1846 gegründet, mit dem Ziel, »eine Einrichtung zur Vermehrung und Verbreitung von Wissen« zu sein. Trump hingegen kritisierte, die Smithsonian sei in den vergangenen Jahren unter den Einfluss einer spalterischen, auf ethnische Zugehörigkeit ausgerichteten Ideologie geraten.
Bereits im vergangenen Jahr ließ er deshalb missliebige Inhalte aus den Nationalmuseen in Washington entfernen. »Ich habe meine Anwälte angewiesen, die Museen zu überprüfen und genau den gleichen Prozess einzuleiten, der bei den Colleges und Universitäten angewendet wurde, wo enorme Fortschritte erzielt worden sind«, erklärte er im August. Die Museen hätten 120 Tage Zeit, um alles, was die Regierung als »spaltende oder ideologisch motivierte Sprache« betrachtet, durch »einigende, historisch korrekte und konstruktive Beschreibungen« zu ersetzen.
