SpOn 23.01.2026
22:37 Uhr

US-Bundesstaaten rufen wegen »Monstersturms« Notstand aus


Die USA bereiten sich auf einen der schwersten Winterstürme seit Jahren vor, mehrere Gouverneure haben den Notstand ausgerufen. Präsident Trump nutzt die Gelegenheit, um die Klimakrise zu leugnen.

US-Bundesstaaten rufen wegen »Monstersturms« Notstand aus

Am Samstag soll ein Schneesturm über die USA hereinbrechen. Das Land bereitet sich seit Tagen darauf vor, denn es könnte einer der heftigsten Stürme seit Jahren werden. Die US-Hauptstadt Washington hat am Freitag den Notstand ausgerufen. Er gelte für die Hauptstadt (District of Columbia) ab sofort, sagte Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser.

Von der Nationalgarde werden demnach Geländefahrzeuge zur Unterstützung der Einsatzkräfte angefordert. Es wird damit gerechnet, dass der Schneefall in der Hauptstadt im Osten der USA mit rund 700.000 Einwohnern am Samstagabend beginnt und sich bis in den Sonntag hineinzieht – womöglich bis Montag. Der Betreiber der U-Bahn in der Hauptstadt schließt nicht aus, dass es durch das Eis zu Schienenbrüchen kommt.

Zuvor hatten bereits zahlreiche US-Bundesstaaten den Notstand ausgerufen. Die Maßnahme gelte ganz oder teilweise für New York, Texas, Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia, Maryland, Louisiana, Arkansas, Tennessee, Alabama, Mississippi und Missouri, wie die Gouverneure der jeweiligen Bundesstaaten mitteilten.

»Das ist eine gefährliche Kombination aus viel Schnee und extrem niedrigen Temperaturen«, sagte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul. Mit der Ausrufung des Notstands können die US-Bundesstaaten – falls notwendig – deutlich schneller Hilfsgelder und Personal mobilisieren.

Tausende Flüge gestrichen

Begleitet von heftigen Schneefällen und eisigen Winden werde sich der herannahende Sturm über eine Entfernung von rund 3000 Kilometern von New Mexico im Südwesten aus über das Wochenende bis nach Maine im Nordosten ausbreiten, warnte der Wetterdienst. Medien sprachen von einem »Monstersturm«.

Fluggesellschaften hätten vorsorglich bereits Verbindungen abgesagt, hieß es in Medienberichten. Airlines wie United und Delta boten ihren Passagieren an, ihre Reise umzubuchen. Der TV-Sender ABC News berichtete, mehr als 1600 für Samstag geplante Flüge in die oder aus den USA oder innerhalb des Landes seien gestrichen worden. Die Flughäfen im texanischen Dallas seien besonders betroffen.

Foto: Erik S. Lesser / EPA

Auch die Lufthansa hat für Samstag zahlreiche Flüge von und nach Nordamerika gestrichen. Am Sonntag sind nach Angaben einer Sprecherin noch Verbindungen nach Washington, New York, Boston, Philadelphia und Charlotte betroffen. An zahlreichen weiteren Flughäfen im Westen, Süden und Norden des Kontinents sei am Sonntag nur noch mit vereinzelten Verspätungen zu rechnen. Die betroffenen Fluggäste würden über die Ausfälle und alternative Reisemöglichkeiten informiert.

Befürchtet wird auch, dass es zu massiven Stromausfällen in US-Städten und Regionen kommt, etwa durch umknickende Bäume oder weil die oberirdischen Leitungen durch das Gewicht von Blitzeis brechen könnten.

»Absolut tödliche« Kälte erwartet

Für rund 160 Millionen Einwohner gelten Wetterwarnungen oder besondere Hinweise. Die Behörden riefen die Menschen auf, ihre Wohnungen möglichst nicht zu verlassen und das Auto stehen zu lassen. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul warnte, die erwartete Kälte könne »absolut tödlich« sein. In Teilen von Minnesota und North Dakota könnten die Temperaturen laut Wetterdienst auf minus 45 Grad Celsius fallen.

Foto: Erik S. Lesser / EPA

Die Stadt Washington rief auf, dass man Taschenlampen bereitlegen sollte, für den Fall, dass es zu Stromausfällen komme. Auf einer Pressekonferenz von öffentlichen Vertretern wurde auch empfohlen, Handys aufzuladen. Bewohner der Stadt müssen zudem ihre Autos von bestimmten Notstraßen wegfahren. Das gilt von Samstagmittag bis Dienstag.

US-Präsident Donald Trump ätzte angesichts der Wettervorhersage gegen Klimaexperten. »Könnten die Umweltaktivisten bitte erklären – WAS IST EIGENTLICH AUS DER GLOBALEN ERWÄRMUNG GEWORDEN???«, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social.

Klimawandel bedeutet allerdings keineswegs, dass es keine Kälteeinbrüche oder Winterstürme mehr gibt, sondern dass die Temperaturen im langfristigen Mittel zunehmen. Im Zuge des Klimawandels steigt Experten zufolge zudem die Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen. Dazu zählen auch Stürme und heftiger Niederschlag.

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Trump zweifelt immer wieder die Existenz des Klimawandels an. Der Republikaner sprach vor Monaten etwa von dem »größten Betrug«. Auch in seiner zweiten Amtszeit bleibt er damit bei seiner Meinung, die sämtlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen entgegensteht.

Das Weiße Haus teilte Journalisten unterdessen mit, dass die gesamte Regierung die Wettervorhersagen genau beobachte, um reagieren zu können. Zuvor hatte bereits das Heimatschutzministerium mitgeteilt, dass die Bundesbehörde für Katastrophenschutz mit den Bundesstaaten zusammenarbeite. Verteilzentren der Behörde im Süden und Osten des Landes seien mit mehr als sieben Millionen Mahlzeiten, mehr als zwei Millionen Liter Wasser und Hunderttausenden Decken und Hunderten Generatoren ausgestattet.

jah/dpa