SpOn 09.09.2026
08:35 Uhr

Tung Chee-hwa: Hongkongs erster postkolonialer Regierungschef ist tot


Tung Chee-hwa war der erste Chief Executive der Sonderverwaltungszone Hongkong nach deren Rückgabe an China – Peking blieb er stets loyal verbunden. Nun ist Hongkongs erster Regierungschef nach der Kolonialzeit verstorben.

Tung Chee-hwa: Hongkongs erster postkolonialer Regierungschef ist tot

Der frühere Hongkonger Regierungschef Tung Chee-hwa ist tot. Das teilte Tungs Büro mit. Tung sei im Kreise seiner Familie am Dienstag (Ortszeit) friedlich entschlafen. Er wurde 89 Jahre alt.

Tung war der erste Regierungschef Hongkongs, nachdem Großbritannien 1997 als damalige Kolonialmacht Hongkong zurück an China gegeben hatte. Unter dem Motto »ein Land, zwei Systeme« sagte Peking den Menschen dort bestimmte Freiheiten zu.

Der in Shanghai geborene Geschäftsmann und Reeder, der von einem pekingtreuen Gremium für den Posten in Hongkong gewählt wurde, galt als politisch unerfahren. Der Führung in Peking blieb er treu verbunden. »Ich bin fest davon überzeugt, dass Hongkong als Sonderverwaltungsregion Chinas eine noch glanzvollere und erfolgreichere Zukunft bevorsteht«, hatte Tung in seiner Antrittsrede am 1. Juli 1997 gesagt.

Hongkongs ebenfalls von Peking eingesetzter amtierender Regierungschef John Lee würdigte Tungs Verdienste in einer Mitteilung nun als »außerordentlich bedeutend«.

Tungs Amtszeit von Krisen geprägt

Tungs erste Amtsjahre verliefen turbulent. Zu Beginn breitete sich von Thailand aus eine schwerwiegende Finanz- und Währungskrise in Asien aus, die Hongkong unter anderem durch das Platzen einer Spekulationsblase im Immobilienbereich traf.

Trotz Kritik an der Reaktion der Regierung wurde Tung 2002 für eine zweite fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. 2003 traf die Infektionskrankheit Sars die Finanzmetropole und kostete mehr als 280 Menschen das Leben.

Tung mit US-Präsident George W. Bush im Oval Office im Juli 2001

Tung mit US-Präsident George W. Bush im Oval Office im Juli 2001

Foto: Kevin Lamarque / REUTERS

Im Sommer 2003 gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen ein geplantes Anti-Umsturz-Gesetz zu protestieren. Kritiker sahen darin eine mögliche Bedrohung der Freiheiten Hongkongs. Die Regierung verwarf den Gesetzesvorschlag später.

In Teilen der Bevölkerung wuchsen damals Forderungen nach mehr Mitsprache und direkten Wahlen der Hongkonger Regierung. Tung folgte der Linie Pekings und lehnte die Forderungen ab. 2005 trat er unter Verweis auf seinen Gesundheitszustand vorzeitig zurück.

fek/dpa