ABC-Journalistin
»Herr Präsident, warum warten Sie darauf, dass der Kongress die Epstein-Akten freigibt? Warum tun Sie es nicht einfach jetzt?«
Donald Trump, US-Präsident
»Wissen Sie, es ist nicht die Frage, die mich stört. Es ist Ihre Einstellung. Ich finde, Sie sind eine furchtbare Reporterin. Es liegt an der Art, wie Sie diese Fragen stellen. Sie sprechen einen hoch angesehenen Mann an und stellen ihm eine schreckliche, respektlose und einfach nur furchtbare Frage. Dabei könnten Sie genau dieselbe Frage auch freundlich stellen. Sie sind total aufgeputscht, jemand bei ABC hat Sie aufgeputscht. Die haben Sie aufgeputscht. Sie sind ein furchtbarer Mensch und eine furchtbare Reporterin. Was die Epstein-Akten angeht: Ich habe nichts mit Jeffrey Epstein zu tun. Ich habe ihn vor vielen Jahren aus meinem Club geworfen, weil ich ihn für einen kranken Perversen hielt.«
So harsch reagierte Donald Trump auf die Frage einer Journalistin des US-Fernsehsenders ABC zum Fall Jeffrey Epstein. Zu Besuch im Oval Office war der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Dass Trump kritische Fragen – ganz besonders von Journalistinnen – nicht so gern hat, zeigt auch diese Szene kurz vorher.
ABC-Journalistin
»Ist es angemessen, Herr Präsident, dass Ihre Familie während Ihrer Amtszeit Geschäfte in Saudi-Arabien tätigt? Ist das ein Interessenkonflikt? Und Eure Königliche Hoheit, der US-Geheimdienst ist zu dem Schluss gekommen, dass Sie den brutalen Mord [an dem Journalisten Jamal Khashoggi] orchestriert haben; die Familien der Opfer des 11. September sind wütend, dass Sie hier im Oval Office sind. Warum sollten die Amerikaner Ihnen vertrauen?«
Donald Trump, US-Präsident
»Für wen arbeiten Sie?«
ABC-Journalistin
»Ich arbeite für ABC News.«
Donald Trump, US-Präsident
»Für wen?«
ABC-Journalistin
»ABC News.«
Donald Trump, US-Präsident
»Fake News, ABC Fake News. Eine der schlimmsten in der Branche. Aber ich werde Ihre Frage beantworten.«
Nach einem kurzen Exkurs zum eigenen Unternehmen und einem Lobpreis auf die Leistungen seiner eigenen Familie kommt Trump auch auf die andere Frage der Journalistin zu sprechen und verteidigt seinen Gast.
Donald Trump, US-Präsident
»Was diesen Herrn angeht, so hat er phänomenale Arbeit geleistet. Sie erwähnen [den Journalisten Jamal Khashoggi], der äußerst umstritten war. Viele Menschen mochten diesen Herrn, von dem Sie sprechen, nicht, unabhängig davon, ob Sie ihn mochten oder nicht. Dinge passieren, aber er wusste nichts davon. Und dabei können wir es belassen. Sie müssen unsere Gäste nicht in Verlegenheit bringen, indem Sie solche Fragen stellen.«
Dann schießt Trump noch gegen den ganzen Sender ABC.
Donald Trump, US-Präsident
»Und ABC, Ihr Unternehmen, Ihr mieses Unternehmen, ist einer der Schuldigen. Und ich sage Ihnen etwas. Ich sage Ihnen etwas. Ich finde, ABC sollte die Lizenz entzogen werden, weil Ihre Nachrichten so falsch und so unrichtig sind. Und wir haben einen großartigen Bevollmächtigten, den Vorsitzenden, der sich mal darum kümmern sollte. Denn wenn Sie zu 97 Prozent negativ über Trump berichten und Trump dann haushoch die Wahl gewinnt, bedeutet das offensichtlich, dass Ihre Nachrichten nicht glaubwürdig sind und Sie als Reporterin nicht glaubwürdig sind. Damit habe ich Ihre Frage beantwortet.«
Ein interessantes Verständnis von Wahrheit und Pressefreiheit. Na dann.
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