SpOn 25.02.2026
22:41 Uhr

Tricia Tuttle: Filmakademie warnt vor Einflussnahme auf Berlinale


Die Deutsche Filmakademie hat sich im Streit über Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle erschrocken über mögliche politische Einflussnahme gezeigt. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte zuvor eine Krisensitzung einberufen.

Tricia Tuttle: Filmakademie warnt vor Einflussnahme auf Berlinale

In einem offenen Brief  hat sich die Deutsche Filmakademie zur geplanten Krisensitzung zum Filmfestival Berlinale geäußert. Die Unterzeichnenden seien erschrocken über den Versuch »der politischen Einflussnahme in Bezug auf die Leitung eines der bekanntesten und bedeutendsten Filmfestivals der Welt«, teilte die Deutsche Filmakademie am Mittwochabend mit.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat für diesen Donnerstag eine Aufsichtsratssitzung einberufen. Dort soll es auch um die Zukunft von Intendantin Tricia Tuttle gehen.

Die Akademie stehe für den Schutz der Kunstfreiheit und die Autonomie kultureller Institutionen, schrieben die Akademiechefs Vicky Krieps und Florian Gallenberger. Unterzeichnet wurde die Erklärung unter anderem von Schauspielern und Regisseuren wie Iris Berben, Margarethe von Trotta, Wim Wenders und İlker Çatak, dessen Film »Gelbe Briefe« gerade den Goldenen Bären gewonnen  hatte.

»Wir appellieren daher an die politisch Verantwortlichen, die Unabhängigkeit der Berlinale zu garantieren und zu respektieren und die Debatte mit Augenmaß zu führen. Kultur darf nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden.« In dem Schreiben hieß es auch, es gehe um weit mehr als nur eine Personalentscheidung. »Dieser Versuch der Einmischung ist ein gefährliches Signal, das weit über das Festival hinausreicht.«

Intendantin könnte Kündigung drohen

Die Europäische Filmakademie in Berlin stellte sich ebenfalls hinter Tuttle. Unter ihrer Leitung habe die Berlinale ihre Rolle als wichtiges internationales Festival und Marktplatz für den europäischen Film gestärkt, hieß es in einer Mitteilung. »Wir glauben, dass ihre Führung ein starkes Fundament für die Berlinale und das europäische Kino bietet, um selbstbewusst in die Zukunft zu gehen.«

Mehrere Filmschaffende initiierten ebenfalls einen offenen Brief . »Wir verteidigen die Berlinale als das, was sie ist: ein Ort des Austauschs«, heißt es dort. »Seine Stärke liegt darin, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und vielfältige Stimmen sichtbar zu machen.«

Wenn aus einzelnen Wortmeldungen oder symbolischen Deutungen personelle Konsequenzen abgeleitet würden, entstehe ein problematisches Signal: »Kulturinstitutionen geraten unter politischen Erwartungsdruck. Wenn jede Kontroverse institutionelle Konsequenzen nach sich zieht, wird aus Diskurs Kontrolle.«

Unterzeichnet haben deutsche und internationale Film- und Kulturschaffende wie Tilda Swinton, Todd Haynes und Tom Tykwer. Insgesamt hat der Brief bislang knapp 700 Unterschriften gesammelt.

Debatten zum Nahostkonflikt bei Berlinale 2026

Kulturstaatsminister Weimer hat eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung  der zuständigen Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) einberufen. Nach Informationen der »Bild«-Zeitung könnte Tuttles Amtszeit vorzeitig enden. Weimers Sprecher und die Berlinale äußerten sich dazu nicht.

Während der diesjährigen Berlinale hatte es mehrfach Debatten zum Nahostkonflikt gegeben. Mehrere internationale Filmschaffende wie Tilda Swinton und Javier Bardem warfen der Berlinale in einem offenen Brief vor, sich im Gazakrieg nicht an die Seite der Palästinenser zu stellen. Indes stieß in Deutschland die Rede eines Filmemachers auf heftigen Widerspruch.

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Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte während der Preisverleihung der deutschen Regierung vorgeworfen, sie sei faktisch Partner »des Völkermords im Gazastreifen«. Umweltminister Carsten Schneider verließ daraufhin den Saal  und ließ mitteilen, er halte die Aussagen für nicht akzeptabel. Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen Völkermord zu begehen, das ist auch die Position der deutschen Regierung.

jah/dpa