SpOn 09.07.2026
12:51 Uhr

Tomahawk: Bundesregierung kauft Marschflugkörper von den USA – Deal blieb tagelang geheim


US-Präsident Trump hatte einer Stationierung von Tomahawk in Deutschland zunächst eine Absage erteilt. Nun hat die Bundesregierung einen Kauf eingefädelt. Pistorius spricht von »starkem Zeichen der transatlantischen Freundschaft«.

Tomahawk: Bundesregierung kauft Marschflugkörper von den USA – Deal blieb tagelang geheim

Nun also doch: Deutschland erhält von den USA Marschflugkörper des Typs Tomahawk. Laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stimmte Washington dem Verkauf und der Stationierung in Deutschland zu. »Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung. Und wir werden gleichzeitig daran arbeiten, eigene europäische Systeme zu entwickeln und in Europa zu stationieren«, sagte Merz bei einer Regierungserklärung im Bundestag.

Noch beim Nato-Gipfel 2024 hatten die USA unter Präsident Joe Biden in Aussicht gestellt, ab 2026 Tomahawk sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland zu stationieren – samt amerikanischen Truppen. Unter US-Präsident Donald Trump gab es zunächst eine Absage an das Vorhaben. Der Kauf von Tomahawk ist nun eine Alternative dazu.

Mit der Anschaffung der Tomahawks reagiert Deutschland auf die Bedrohung aus Russland. »Russland hat nuklearfähige Iskander-Raketen in der Exklave Kaliningrad stationiert. Darüber hinaus verlegt Moskau seit 2022 russische Kampfjets mit Luft-Boden-Hyperschall-Raketen vom Typ Kinschal dorthin. Zudem hat Russland angekündigt, Nuklearwaffen in Belarus zu stationieren«, hieß es aus dem deutschen Verteidigungsministerium im Jahr 2024. Und: »Da Russland damit Westeuropa massiv bedroht – die Flugkörper haben Reichweiten von bis zu 2000 Kilometern – muss die Nato etwas dagegen unternehmen.« Tomahawk verfügt über eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern.

Für die Bundesregierung ist die Zusage für den Verkauf der weitreichenden Marschflugkörper der wohl größte Erfolg, den sie vom Nato-Gipfel hätte mitbringen können. In den Tagen vor dem Treffen mit den Spitzen der US-Regierung war Berlin zwar optimistisch, einen entsprechenden Deal einfädeln zu können – eine feste Zusage war das aber noch nicht.

Milliardenschwerer Deal bahnt sich an

Den jetzigen Durchbruch hielten beide Regierungen bis jetzt geheim. Laut Regierungskreisen hatten die Verteidigungsminister Boris Pistorius und Pete Hegseth bereits am Tag vor dem Nato-Gipfel einen sogenannten Letter of Intent, eine Art Absichtserklärung für den Verkauf der US-Waffensysteme an Deutschland, gezeichnet. Als Pistorius in Ankara danach gefragt wurde, blieb er jedoch bei vagen Aussagen.

Konkret vereinbarten die beiden Verteidigungsminister, dass die USA im August die Genehmigung für eine Beschaffung von Tomahawk-Raketen und entsprechende bodengestützte Typhoon-Startbatterien erteilen. Da es sich um ein Geschäft zwischen Washington und Berlin handelt, muss der US-Kongress zuvor noch zustimmen. Dies gilt nach dem grünen Licht der Trump-Regierung als Formalie.

Wie viele der Marschflugkörper und der Startgeräte Deutschland am Ende erwirbt, soll geheim bleiben und für mögliche Gegner wie Russland nicht öffentlich einsehbar sein. Klar ist, dass sich ein weiterer milliardenschwerer Rüstungsdeal anbahnt: Der Stückpreis für einen Marschflugkörper liegt deutlich über einer Million Euro. Hinzu kommen langfristige Wartungsverträge für die Raketen und Startgeräte.

Pistorius: »Starkes Zeichen der transatlantischen Freundschaft«

Verteidigungsminister Pistorius zeigte sich nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung hoch zufrieden. »Es ist ein starkes Zeichen der transatlantischen Freundschaft und vertrauensvollen Zusammenarbeit, dass sich die US-Regierung entschieden hat, Deutschland die Beschaffung von Tomahawk-Marschflugkörpern und bodengestützten Typhon-Startgeräten zu ermöglichen«, sagte der Minister dem SPIEGEL.

Pistorius betonte, dass die Europäer zwar weiter an der Entwicklung von weitreichenden Abstandswaffen wie den Tomahawks arbeiteten. Trotzdem müsse man »weiterhin bestimmte militärische Waffensysteme und Komponenten aus den USA beschaffen«, nur so gelinge der »Fähigkeitsaufbau, den wir der Nato zugesagt haben« und der zur Abschreckung gegen mögliche Angriffe auf Nato-Gebiet diene.

Mehr zum Thema

Wenngleich der Tomahawk-Deal ein Erfolg für die Bundesregierung ist, bleibt die Angst vor einem Bruch der USA mit der Nato. Dabei gibt es eine noch viel größere Gefahr, schreibt SPIEGEL-Redakteurin Marina Kormbaki. Ihren Kommentar lesen Sie hier .

atr/mgb/dpa