Im Jahr 1956 wurde in Dallas ein Mann hingerichtet, weil er eine Frau vergewaltigt und umgebracht haben sollte. Nun wurde Tommy Lee Walker posthum vom Mord an Venice Lorraine Parker freigesprochen. Er sei damals zu Unrecht zum Tode verurteilt worden, der Fall sei »von rassistischer Ungerechtigkeit durchdrungen«, teilte die Bezirksstaatsanwaltschaft mit. Das berichtet die »New York Times«.
Die 31-jährige Parker war am Abend des 30. September 1953 auf dem Weg zu einer Bushaltestelle in der Nähe des Flughafens Dallas Love Field gewesen. Laut den Behörden wurde sie in eine Schlucht gezerrt, geschlagen und vergewaltigt. Anschließend schnitt ihr ein Angreifer die Kehle durch. Zwei Flughafenmitarbeiter brachten sie in ein Krankenhaus, wo sie jedoch ihren Verletzungen erlag. Ein Polizist behauptete damals, Frau Parker habe ihm erzählt, sie sei von einem schwarzen Mann angegriffen worden. Diese Aussage wurde jedoch von mehreren Zeugen widerlegt, die bezeugten, Parker habe Krämpfe gehabt und nicht sprechen können. Dennoch wurde Walker verurteilt.
Rassismus in der Ära der Jim-Crow-Gesetze
Ein Gericht in Dallas stellte fest, dass der Staatsanwalt und die Polizei in dem Fall ihre Verurteilung durch eine rein weiße Jury herbeigeführt hatten. Auch noch Jahrzehnte nach dem Bürgerkrieg in den USA wurde Rassismus in Teilen des Landes juristisch legitimiert. Die sogenannten Jim-Crow-Gesetze schrieben noch bis in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts eine strikte Rassentrennung in fast allen Lebensbereichen vor.
John Creuzot, der Bezirksstaatsanwalt von Dallas County, erklärte, dass Tommy Lee Walker nicht hätte angeklagt werden dürfen. Er sei aufgrund seiner Hautfarbe verhaftet und zu einem Geständnis gezwungen worden, das er sofort widerrief. »Es ist meine Pflicht, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um das Unrecht der Vergangenheit wiedergutzumachen«, sagte Creuzot. »Tommy Lee Walkers Rechte wurden verletzt, von seiner Festnahme ohne Haftbefehl über sein Verhör bis zu seiner Anklage. Das Strafrechtssystem hat ihn im Stich gelassen.«
Für die Hinterbliebenen war das neue Urteil ein Moment der Verbundenheit: Ted Smith, 72, war zwei Jahre alt, als sein Vater auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Joseph Parker war vier Jahre alt, als seine Mutter getötet wurde. Die beiden Männer umarmten sich nach der Urteilsverkündung.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hieß es, Tommy Lee Walker sei 1959 hingerichtet worden. Das ist falsch. Das Todesurteil wurde 1956 vollstreckt.
