SpOn 30.05.2026
12:50 Uhr

Timmy: Buckelwal-Kadaver in Dänemark an Land gezogen


Der tote Buckelwal vor Anholt ist geborgen worden. Eine Schleppaktion ans Festland scheiterte am Wetter, nun soll er auf der dänischen Insel zerlegt werden. Ein Forscher warnt vor »überwältigendem« Gestank.

Timmy: Buckelwal-Kadaver in Dänemark an Land gezogen

Der Kadaver des »Timmy« oder »Hope« genannten Buckelwals ist auf Anholt an Land gebracht worden. »Alles ist planmäßig und ohne Probleme verlaufen«, sagte Morten Abildstrøm von der dänischen Naturschutzbehörde, wie mehrere dänische Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Ritzau melden . Demnach dauerte die Bergung auf der dänischen Kattegat-Insel am Samstagmorgen etwa zwei Stunden. »Jetzt liegt der Wal ganz oben auf dem Trockenen. Und es wurde alles vorbereitet, damit er obduziert und zerlegt werden kann.«

In einem Livestream des Anbieters News5 war zu sehen, wie ein Fahrzeug den Kadaver mit einem Seil aus dem flachen Wasser langsam auf den Strand zog. Im Sand hinterließ das tonnenschwere Tier eine riesige Furche. Die dänischen Behörden riefen Einheimische und Badegäste dazu auf, sich dem Wal nicht zu nähern, es bestehe Infektionsgefahr.

Kommende Woche soll der Kadaver dann direkt am Strand untersucht werden. »Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken«, sagte der Walforscher Peter Teglberg Madsen, der in Dänemark seit 25 Jahren Walobduktionen begleitet. »Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist.«

Mehr als zwei Wochen hatte der Kadaver vor der Urlaubsinsel im Wasser getrieben. Einmal hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn dann in den Hafen von Greena ans dänische Festland zu schleppen. Der Versuch scheiterte aber am Wetter, nun findet die Obduktion auf Anholt statt. Man wolle vor allem herausfinden, woran das Tier starb, sagte Madsen, »denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht«.

Walforscher: Rettungsversuch war »reine Tierquälerei«

Der Biologe von der Universität Aarhus nimmt an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte: »Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen.« Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert. »Es wurde von den Wellen hin- und hergeschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden – das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein.«

Die Aktion sei »reine Tierquälerei« gewesen, sagte Madsen. »Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen«, sagte der Forscher. »Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten.«

Der Wal hatte an der deutschen Ostseeküste immer wieder Flachwasser aufgesucht – mehrfach hatte er sich weiterbewegt, nachdem Menschen sich ihm genähert hatten. Schließlich lag er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute und Institutionen hatte das Landesumweltministerium geduldet, dass eine private Initiative das Tier abtransportiert und in der Nordsee freisetzt.

Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt wundern sich ebenfalls viele über das Vorgehen – und noch mehr über das große Interesse der Deutschen an dem Wal. Lesen Sie dazu hier den SPIEGEL-Report von Anholt: »Ihr solltet kommen und den Wal holen« .

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Für die Einheimischen indes bedeutet der Kadaver vor allem Ärger, zumal er am beliebtesten Strand der Insel liegt. »Wenn er liegen bleibt und noch stärker stinkt, wird das zum Problem für unsere Sommergäste und den Campingplatz«, sagte Matthias Vanman, der mit seiner Bekannten Hanne Skov am Hafen in der Sonne saß. Skov verbringt seit mehr 30 Jahren den Sommer auf dem Campingplatz der Insel unweit vom Strand. »Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt«, sagte sie.

Der Groll vor Ort dürfte auch noch etwas andauern: Wenn die Arbeiten an dem Tier beginnen, soll der Strand abgesperrt werden.

Seit Tagen berichten zwei Reporter im Livestream von der dänischen Insel Anholt über den toten Buckelwal. Das Problem: Es passiert nichts. Warum ist es trotzdem so verdammt faszinierend? Hier lesen Sie mehr.

apr/dpa