Tage nach den tödlichen Schüssen auf Alex Pretti in Minneapolis hat sich Apple-CEO Tim Cook mit einem internen Memo an seine Mitarbeiter gewandt. »Ich bin über die Ereignisse in Minneapolis zutiefst erschüttert, und meine Gebete und mein tiefstes Mitgefühl gelten den Familien, den Gemeinden und allen Betroffenen«, schreibt Cook Berichten zufolge in der Mitteilung, die auf einer firmeninternen Webseite veröffentlicht wurde. Sowohl Bloomberg als auch das »Wall Street Journal « konnten das Memo im Original lesen. Offenbar reagiert Cook damit auf interne Kritik an seiner Nähe zum Weißen Haus.
Der gewaltsame Tod von Alex Pretti hatte in der Stadt erhebliche Unruhen und in den USA heftige Kritik ausgelöst. Ohne eine Untersuchung des Vorfalls abzuwarten, hatte etwa Heimatschutzministerin Kristi Noem die Schüsse als einen Akt der Notwehr gegen den Krankenpfleger Pretti bezeichnet. Ein erster offizieller Bericht zu den Ereignissen scheint diese Darstellung zu widerlegen.
Kinoabend im Weißen Haus
Bereits am Sonntag hatten die CEOs von 60 in Minnesota ansässigen Unternehmen, darunter 3M, Allianz Life Insurance und Winnebago Industries, in einem offenen Brief zu einer »Deeskalation der Spannungen « aufgefordert. In ihrem Schreiben heißt es, es sei an der Zeit, »dass staatliche, lokale und bundesstaatliche Beamte zusammenarbeiten, um echte Lösungen zu finden«.
Zuvor hatten bereits rund 450 Mitarbeiter von Firmen wie Google, OpenAI, Nvidia und Salesforce ihre Chefs in einem offenen Brief aufgefordert , ihren Einfluss geltend zu machen. »Wir wissen, dass die Führungskräfte unserer Branche Einfluss haben«, heißt es darin. Schließlich hätten die Silicon-Valley-CEOs Trump im Oktober davon überzeugen können, »eine geplante ICE-Offensive in San Francisco abzubrechen«.
In einem Nebensatz erwähnten die Autoren des Aufrufs, dass einige der einflussreichsten Chefs der IT-Branche an jenem Abend im Weißen Haus zu Gast waren. Der Anlass war eine Privatvorführung der von Amazon finanzierten 40 Millionen Dollar teuren Dokumentation »Melania«, in der es um die zweite Amtseinführung von Donald Trump als Präsident der USA geht. Neben Amazon-CEO Andy Jassy waren etwa der ehemalige Profiboxer Mike Tyson, die jordanische Königin Rania, Zoom-CEO Eric Yuan, AMD-Chefin Lisa Su und Tim Cook unter den 70 geladenen Gästen.
Wie »The Information « unter Berufung auf interne Chat-Mitschnitte berichtet, soll Cooks Teilnahme an der Vorführung, wenige Stunden nach Prettis Tod, zu wütenden Äußerungen einiger Mitarbeiter geführt haben.
Ein Gespräch mit Trump
In seinem internen Memo geht Cook auf die Kritiker zu, schreibt: »Ich bin stolz darauf, wie sehr sich unsere Teams für die Welt außerhalb unserer Mauern engagieren. Diese Empathie ist eine der größten Stärken von Apple und etwas, das wir alle schätzen.« Auch schreibt er, es sei »jetzt an der Zeit für Deeskalation«. Und mit typischem US-Pathos: »Ich glaube, dass Amerika am stärksten ist, wenn wir unseren höchsten Idealen gerecht werden, wenn wir jeden mit Würde und Respekt behandeln, egal wer er ist oder woher er kommt.« Das seien Werte, für die »Apple sich schon immer eingesetzt hat«.
Tim Cook und Donald Trump: Handshake beim Weltwirtschaftsforum in Davos
Foto: Jonathan Ernst / REUTERSVor allem aber erklärt Cook, er habe »ein gutes Gespräch mit dem Präsidenten« gehabt, in dem er Trump seine Ansichten dargelegt habe. Er schätze die Offenheit des US-Präsidenten, »sich mit Themen zu befassen, die für uns alle wichtig sind«. Weiter geht er nicht darauf ein, was er mit Trump besprochen hat und wie dieser reagiert hat. Es dauerte jedenfalls noch Tage, bis sich Trump nach einem Telefonat mit Minnesotas Gouverneur Tim Walz am Dienstag schließlich versöhnlich zeigte und ankündigte, den berüchtigten Leiter der ICE-Truppen in Minneapolis, Gregory Bovino, aus der Stadt abzuziehen.
Cook ist nicht der einzige Tech-CEO, der sich intern von dem Vorgehen der Trump-Regierung distanzieren will. Wie die »New York Times« berichtet , hat sich auch OpenAI-Chef Sam Altman entsprechend geäußert. »Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Abschiebung gewalttätiger Krimineller und dem, was derzeit geschieht«, zitiert die Zeitung aus internen Slack-Nachrichten, die Regierung sei »zu weit gegangen«. Wie Cook schreckt auch Altman von einer öffentlichen Erklärung zurück und erklärte auch intern, dass er Trump für einen »starken Anführer« halte.
