Bei einem schweren Zugunglück in der thailändischen Provinz Nakhon Ratchasima mit mindestens 32 Toten und mindestens 60 Schwerverletzten ist auch ein deutscher Staatsbürger gestorben. Das bestätigte das Außenministerium in Bangkok. Details zur Identität sind nicht bekannt.
Die Suche nach drei als vermisst geltenden Personen sei inzwischen abgebrochen worden, berichtete unter anderem die »Bangkok Post « unter Berufung auf die Einsatzkräfte. Es seien Leichenteile geborgen worden, die nun untersucht würden.
Am Mittwoch war in der Provinz Nakhon Ratchasima, etwa 230 Kilometer nordöstlich von Bangkok, ein Baukran auf einen voll besetzten Zug gestürzt. Der Zug entgleiste und begann zu brennen.
Ermittlungen auf Hochtouren
Das Portal »Thaiger« sprach mit der thailändischen Ehefrau des deutschen Opfers, die überlebte. Sie sagte, das Dach des Zuges sei eingestürzt und dadurch Gepäck heruntergefallen. Sie vermutet demnach, dass eines der Gepäckstücke ihren Mann traf und ihn tödlich verletzte.
Die Ermittlungen zur Unglücksursache laufen. Man sammle Beweise und habe Vertreter zweier beteiligter Baufirmen zur Vernehmung vorgeladen, hieß es von der Polizei. Bislang sei noch keine Anklage erhoben worden.
Der riesige Kran war für den Bau einer Eisenbahnbrücke für die thailändisch-chinesische Hochgeschwindigkeitsstrecke (HGV) eingesetzt worden, die Thailand in Zukunft über Laos mit China verbinden soll. Das Projekt ist Teil des chinesischen Großprojekts »Neue Seidenstraße«.
Die Bergung der zerstörten Waggons gestaltet sich weiter als schwierig. Die wichtige Bahnstrecke in Richtung Nordosten von Thailand ist derzeit blockiert. Zahlreiche Züge mussten umgeleitet werden.
Ähnlicher Unfall nahe Bangkok
Nur einen Tag nach dem Unglück am Mittwoch ist es nahe Bangkok am Donnerstagmorgen (Ortszeit) zu einem ähnlichen Unfall gekommen. Zwei Menschen kamen ums Leben und fünf weitere wurden verletzt, als ein Baukran in Samut Sakhon plötzlich auf eine Schnellstraße stürzte.
Teile des Stahlgerüsts trafen zwei Autos, wie die Zeitung »Bangkok Post« unter Berufung auf die Polizei berichtete. Der Kran sei für den Bau einer Schnellstraßenbrücke eingesetzt worden, hieß es.
Die Schnellstraße Rama 2 ist eine Hauptverkehrsader, die Bangkok mit dem Süden des Landes verbindet. Sie wird auch von Urlaubern gern genutzt, um etwa den Badeort Hua Hin zu erreichen. Was das neuerliche Unglück auslöste, ist bisher unklar.
Über der viel befahrenen Schnellstraße Rama 2 entsteht gerade eine Hochstraße. Es ist nicht der erste Unfall an dieser Strecke: Im März vergangenen Jahres war bereits ein Pfeiler zusammengebrochen und auf die Straße gestürzt. Sechs Menschen kamen ums Leben, viele weitere wurden verletzt.
Baustopp angeordnet
Thailands Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn hat einen sofortigen Baustopp für alle Hochstraßen- und Hochbahnprojekte im Land angeordnet. Die Maßnahme gelte bis zu einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsstandards auf den Baustellen, sagte der Minister in einem Fernsehinterview. Phiphat kündigte für den Nachmittag ein Treffen mit allen beteiligten Bauunternehmen an, um über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu beraten.
Der Präsident des thailändischen Verbands der Bauingenieure, Amorn Pimanmas, sagte, für die Unglücke gebe es unterschiedliche Ursachen. Beim Unglück am Schnellstraßenprojekt in Samut Sakhon am Donnerstag sei der Kran in der Mitte v-förmig gebrochen, was auf fehlerhafte Bolzen oder Mängel bei der Montage hindeute.
Beim Unfall auf der Bahnbaustelle am Mittwoch in der Provinz Nakhon Ratchasima habe dagegen die Kranbasis nachgegeben. Beide Vorfälle zeigten jedoch gravierende Defizite bei den Sicherheitsstandards großer Infrastrukturprojekte, die dringend behoben werden müssten.
