SpOn 08.12.2025
04:21 Uhr

Thailand: Bangkok fliegt Luftangriffe entlang der Grenze zu Kambodscha


Flammt der bewaffnete Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha erneut auf? In der Nacht gab es offenbar Luftangriffe, Hunderttausende Zivilisten wurden evakuiert. Beide Seiten schieben sich die Schuld zu.

Thailand: Bangkok fliegt Luftangriffe entlang der Grenze zu Kambodscha

Thailand hat eigenen Angaben zufolge entlang seiner Grenze zu Kambodscha Luftangriffe geflogen. Dabei wurde mindestens ein thailändischer Soldat getötet und vier weitere verletzt, wie das thailändische Militär am Montag mitteilte. Man habe nun damit begonnen, Flugzeuge für Angriffe auf militärische Ziele in mehreren Gebieten einzusetzen, hieß es weiter.

Zudem sollen in Thailand mehr als 385.000 Zivilisten aus vier Grenzbezirken in Sicherheit gebracht werden. Mehr als 35.000 von ihnen seien bereits in Notunterkünften untergebracht.

Laut dem thailändischen Militär waren Truppen in der Provinz Ubon Ratchathani zuvor unter kambodschanischen Beschuss geraten. Das kambodschanische Verteidigungsministerium teilte hingegen mit, das thailändische Militär habe seine Streitkräfte im Morgengrauen an zwei Orten angegriffen. Dem seien tagelange Provokationen vorausgegangen. Die kambodschanischen Truppen hätten nicht zurückgeschossen.

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Der einflussreiche kambodschanische Ex-Premier Hun Sen rief sein Land zur Zurückhaltung auf. Die Gegenseite versuche, eine Eskalation zu provozieren.

Der Streit zwischen Thailand und Kambodscha war im Juli zu einem fünftägigen Grenzkonflikt eskaliert. Dabei wurden mindestens 48 Menschen getötet und schätzungsweise 300.000 vorübergehend vertrieben. Thailand und Kambodscha streiten seit mehr als einem Jahrhundert um die Souveränität an nicht markierten Punkten entlang ihrer 817 Kilometer langen Landgrenze. Diese wurde 1907 von Frankreich kartiert, als es Kambodscha als Kolonie beherrschte. Die Spannungen führten wiederholt zu Gefechten, wie etwa zu einem wochenlangen Artilleriebeschuss im Jahr 2011.

Beide Länder hatten sich zuletzt gegenseitig beschuldigt, eine im Oktober unterzeichnete Waffenruhe verletzt zu haben. Thailand hatte Mitte November die Umsetzung des Abkommens ausgesetzt, nachdem ein Soldat durch eine Landmine verletzt worden war. Donald Trump und der malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim hatten die Waffenruhe vermittelt. Der US-Präsident hatte unter anderem gewarnt, er werde keine Handelsverträge mit den beiden Staaten abschließen, wenn sie die Kämpfe nicht beenden.

Immer wieder Ärger wegen der Grenzen

Trump hatte die Vereinbarung vom Oktober als Friedensabkommen bezeichnet und hinzugefügt, dass der von ihm vermittelte Deal »Millionen von Leben« gerettet habe. Es ist einer der diversen Konflikte, von denen der US-Präsident behauptet, er habe sie gelöst. Trump bringt sich immer wieder selbst für den Friedensnobelpreis ins Spiel.

Die Vereinbarung sah eine militärische Deeskalation, den Abzug schwerer Waffen aus dem Grenzgebiet und die Einrichtung eines Beobachterteams des südostasiatischen Staatenbundes Asean vor. Zudem sagte Thailand zu, 18 kambodschanische Kriegsgefangene freizulassen, sollten die Maßnahmen umgesetzt werden. Das Abkommen wurde während des Asean-Gipfels in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur besiegelt.

jok/Reuters