Die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE lösen schon länger Kritik aus, dabei geht es um brutale Festnahmen und tödliche Schüsse auf Demonstranten . Nun rücken auch die Haftbedingungen in einer Anstalt der US-Einwanderungsbehörde ICE im Süden von Texas in den Fokus. Dort haben die Mitarbeiter einen Masernausbruch festgestellt.
Nach zwei bestätigten Infektionen seien mehrere Migranten in Quarantäne gekommen, die Kontakt mit den Infizierten gehabt haben könnten, teilte eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums mit. US-Medienberichten zufolge handelt es sich um eine Einrichtung, in der Eltern und Kinder wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsgesetze festgehalten werden.
»Jegliche Bewegung« in der Einrichtung sei untersagt worden, teilt das Ministerium weiter mit. Was das konkret für die Inhaftierten bedeutet und wie lange die Maßnahme bestehen bleiben soll, ist unklar. Die Infektionen wurden der Ministeriumssprecherin zufolge am Samstag von den texanischen Gesundheitsbehörden bestätigt.
Fünfjähriger war inhaftiert
Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und können in Extremfällen lebensbedrohlich sein. Menschen stecken sich über Speicheltröpfchen in der Luft mit Masernviren an.
Die Einrichtung in dem Ort Dilley war zuletzt wegen der Inhaftierung eines Fünfjährigen in die Schlagzeilen geraten. Er war mit seinem Vater vor rund zwei Wochen bei einer Razzia im Bundesstaat Minnesota aufgegriffen und in Gewahrsam genommen worden. Nach einer Gerichtsentscheidung kamen die beiden am Sonntag wieder frei.
Die Anwältin Neha Desai, die sich für Kinder in Gewahrsam einsetzt, sagte dem Sender CBS, die Masern dürften nicht als Vorwand genommen werden, um ihr und ihren Kollegen den Zugang zur Einrichtung zu verwehren.
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Die beiden Fälle in Texas treten auf, nachdem die USA zuletzt an mehreren Orten Masernausbrüche verzeichnet hatten. Das Land erlebte laut einer Zählung der Johns Hopkins University im vergangenen Sommer die schlimmste Masernepidemie seit mehr als 30 Jahren. Ärzte warfen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. vor, die Gefahr durch Masern lange heruntergespielt und früher Falschbehauptungen über Impfungen verbreitet zu haben. Nach Hunderten Masernfällen im Land sprach sich Kennedy dann jedoch für eine Impfung aus.
Die ehemalige Leiterin der US-Gesundheitsbehörde, Susan Monarez, warnte, wenn Impfempfehlungen und -maßnahmen ohne belastbare Daten geändert würden, drohe ein Wiederaufflammen von Kinderlähmung, Masern, Diphtherie oder Keuchhusten. Nach eigenen Angaben wurde sie von Gesundheitsminister Kennedy Jr. aus ihrer Rolle gedrängt, weil sie sich geweigert habe, wissenschaftliche Standards zu missachten.
