SpOn 11.02.2026
11:11 Uhr

Tesla lässt IG Metall-Mitglied bei Betriebsratssitzung in Werk Grünheide abführen


Im Tesla-Werk in Brandenburg eskaliert der Streit im Betriebsratswahlkampf. Einem IG-Metall-Vertreter wird vorgeworfen, eine Sitzung heimlich aufgezeichnet zu haben. Die Gewerkschaft spricht von einer »Schmutzkampagne«.

Tesla lässt IG Metall-Mitglied bei Betriebsratssitzung in Werk Grünheide abführen

In den ersten Wochen des Jahres war es rund um Teslas Gigafabrik in Grünheide verhältnismäßig still. Für manche Beobachter sogar verdächtig still. Schließlich steht dort in wenigen Wochen eine mit Spannung erwartete Betriebsratswahl an.

Nun gab es einen Vorfall, der einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf um die Stimmen der Belegschaft gibt. Anfang März wählen rund 10.700 Beschäftigte einen neuen Betriebsrat bei Tesla. Anders als bei anderen Autokonzernen gibt bei Tesla bislang nicht die IG Metall den Ton an. In Grünheide stellt ihre Liste mit 16 Sitzen derzeit zwar die größte Fraktion im Betriebsrat. Allerdings liegt die Mehrheit bei einem Bündnis von insgesamt vier anderen Listen.

Unterschiedliche Darstellungen

Nun kam es bei einer Betriebsratssitzung zu einem Eklat – der von der Werksleitung anders dargestellt wird als von der IG Metall.

Die Darstellung des Unternehmens erreichte die Beschäftigten am Dienstag um 16:38 Uhr per Rundmail. Die Mitteilung kam von Werksleiter André Thierig persönlich. Die Nachricht an das »Giga Berlin Team« liegt dem SPIEGEL vor.

In seiner Mail schreibt Thierig, ein IG-Metall-Vertreter habe an der Betriebsratssitzung als Gast teilgenommen und das Treffen heimlich mit seinem Computer aufgezeichnet. Dabei sei er von »einem aufmerksamen Betriebsratsmitglied« erwischt worden.

Die hinzugerufene Polizei habe den Computer beschlagnahmt. Thierig teilte mit, Strafanzeige gegen den IG-Metall-Vertreter gestellt zu haben.

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Die Version der Gewerkschaft klingt anders. Sie widerspricht dem Vorwurf, es sei heimlich aufgenommen worden. In einer Mitteilung nennt sie Thierigs Ausführungen eine »ebenso dreiste wie kalkulierte Lüge«. Stattdessen handle es sich um ein »abgekartetes Spiel«.

Aus Kreisen der IG Metall wird der Vorfall gegenüber dem SPIEGEL so geschildert: Zunächst habe ein Teilnehmer den Verdacht geäußert, eine heimliche Aufzeichnung sei gemacht worden. Es habe keine Möglichkeit gegeben, die Vorwürfe zu entkräften.

Die Sitzung sei daraufhin unterbrochen worden, Security-Mitarbeiter hätten den Beschuldigten in einen Nebenraum geführt. Anschließend sei auch die Polizei eingetroffen.

Hitziger Schlagabtausch

Laut IG Metall sei es bei den Betriebsratssitzungen in Grünheide üblich, dass ein Gewerkschaftssekretär anwesend sei. Auch in der Vergangenheit sorgte das nach SPIEGEL-Informationen bereits für Streit. 2024 wurde ein solcher IG-Metall-Vertreter von der Betriebsratsvorsitzenden aus einer Sitzung geworfen.

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Seit Jahren ist der Tesla-Betriebsrat hart umkämpft. Immer wieder kam es zu einem bisweilen hitzigen Schlagabtausch zwischen Werksleitung und der als managementnah geltenden Betriebsratsvorsitzenden einerseits sowie der IG Metall andererseits. Tesla-Management und IG Metall beschuldigen einander, mit unfairen Mitteln zu agieren.

Auch Unternehmenschef Elon Musk hat bereits gegen die IG Metall gewettert. Er versucht traditionell, seine Unternehmen frei von gewerkschaftlichem Einfluss zu halten.