SpOn 17.02.2026
16:35 Uhr

Tesla in Brandenburg: IG Metall stellt Strafanzeige gegen Werksleiter


Tesla wirft einem Gewerkschafter vor, eine Sitzung im Gigawerk in Brandenburg heimlich aufgezeichnet zu haben. Die IG Metall beschuldigt den örtlichen Werksleiter nun der üblen Nachrede.

Tesla in Brandenburg: IG Metall stellt Strafanzeige gegen Werksleiter

Der Streit in der Tesla-Gigafabrik in Brandenburg eskaliert weiter. Die IG Metall hat gegen den Leiter des Tesla-Werks Grünheide Strafanzeige wegen des Vorwurfs der üblen ​Nachrede gestellt. Zudem beantragte die Gewerkschaft nach einer Mitteilung vom Dienstag beim Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) eine ‌einstweilige Verfügung gegen den Geschäftsführer. Damit solle André Thierig die weitere Verbreitung falscher Behauptungen untersagt werden, heißt es. Weiterhin bereite die Gewerkschaft eine Klage wegen Behinderung von Gewerkschaftsarbeit vor. Die IG Metall reagiert damit auf Anschuldigungen Thierigs gegen einen ​Gewerkschaftsmitarbeiter in der vergangenen Woche.

Hintergrund ist der Vorwurf von Tesla, ein IG-Metall-Beschäftigter habe ⁠eine Betriebsratssitzung ⁠auf seinem Laptop aufgezeichnet. Nach Angaben der Gewerkschaft schaltete Tesla während der Sitzung die Polizei ein. Die IG Metall wies den Vorwurf als ‌unwahr zurück und sprach von einem abgekarteten Spiel. ​Der betroffene Mitarbeiter ‌habe den Ermittlungsbehörden über seine Anwälte angeboten, den Laptop mit seinem Passwort zu öffnen, um die Vorwürfe zu entkräften. Das Gerät befinde sich bei den Ermittlungsbehörden. Lesen Sie hier mehr zu dem Fall.

Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ermittelt

Am vergangenen Donnerstag sei ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sowie Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz gegen einen Vertreter der IG Metall eingeleitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) am Wochenende mit.

»Ihm wird vorgeworfen, in einer Betriebsratssitzung am 10.2.2026 im Tesla-Werk in Grünheide mittels eines Laptops heimlich eine Tonaufnahme angefertigt zu haben«, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Datensicherung des Laptops, die für die Auswertung notwendig sei, wurde demnach veranlasst. Die Gewerkschaft hatte den Vorwurf gegen den Mann zurückgewiesen.

Ein Rechtsstreit sei nicht die ‌bevorzugte Form der Auseinandersetzung, sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Jan Otto. »Aber wenn ein Unternehmen Mitbestimmung und Gewerkschaftsarbeit derart aggressiv bekämpft, setzen ‌wir uns mit allen Mitteln ​zur Wehr.« Die Gewerkschaft wolle, ‌dass die Ermittlungsergebnisse vor der Betriebsratswahl Anfang März vorlägen. ‌Dann ​könnten sich die Beschäftigten selbst ein Bild machen, wer die Wahrheit sage. Anfang März wird ​bei Tesla ein neuer ⁠Betriebsrat gewählt, bei dem die ​IG Metall ​mit ihrer Liste antritt und auf eine Mehrheit hofft.

czl/Reuters