SpOn 28.11.2025
14:55 Uhr

Taiwan erwartet wegen KI-Booms stärkstes Wachstum seit 2010


Taiwan gilt als Zentrum der Computerchip-Industrie, Konzerne wie Nvidia oder Apple lassen hier fertigen. Nun sorgt die Nachfrage nach KI-Rechenzentren dafür, dass die Ausfuhren des Landes historisch nach oben gehen.

Taiwan erwartet wegen KI-Booms stärkstes Wachstum seit 2010

Die taiwanische Wirtschaft wächst durch den Boom von künstlicher Intelligenz (KI) voraussichtlich so stark wie seit 15 Jahren nicht. Dank der KI-getriebenen Nachfrage nach Technologieprodukten werde das Bruttoinlandsprodukt im zu Ende gehenden Jahr voraussichtlich um 7,37 Prozent zulegen, hieß es in der am Freitag in Taipeh veröffentlichten Vorhersage des Statistikamtes.

Ein stärkeres Wachstum gab es zuletzt 2010 mit 10,25 Prozent, als nach der globalen Finanzkrise eine Erholung einsetzte. Noch im August war die Behörde nur von 4,45 Prozent ausgegangen. US-Zölle dürften jedoch den Ausblick für das kommende Jahr eintrüben.

Chips für KI-Anwendungen weltweit gefragt

Taiwan spielt eine entscheidende Rolle in der globalen KI-Lieferkette für Unternehmen wie Nvidia und Apple. Diese Position wird durch den weltgrößten Hersteller von Chips für KI-Anwendungen, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), untermauert. »Das bisherige Wachstum übertraf die Erwartungen aufgrund der starken Nachfrage nach KI-Servern, da die US-Cloud-Dienstleister ihren Wettbewerb weiter verschärften«, sagte Analyst Kevin Wang von der Investmentberatung Taishin.

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Für das Jahr 2026 hob das Statistikamt seine Wachstumsprognose ebenfalls an, und zwar auf 3,54 Prozent von zuvor 2,81 Prozent. Die Behörde äußerte sich jedoch vorsichtig zu den Aussichten und verwies auf die Unsicherheit durch US-Zölle. Auf Importe aus Taiwan erheben die USA einen Zoll von 20 Prozent. Halbleiter sind davon derzeit jedoch ausgenommen.

KI-Präsentation bei der Messe Computex in Taipeh

KI-Präsentation bei der Messe Computex in Taipeh

Foto: Ann Wang / REUTERS

»Die Zölle hatten in diesem Jahr keine großen Auswirkungen, bleiben aber eine Unsicherheit für das nächste Jahr«, hieß es von der Behörde. Die Regierung in Taipeh befindet sich in Gesprächen über eine Senkung der Abgaben.

Exporte in die USA werden noch wichtiger

Anfang des Monats hatte der Wirtschaftsdienst Bloomberg gemeldet, dass die taiwanischen Ausfuhren in die USA zuletzt um 144,3 Prozent nach oben geschnellt seien. Sie hätten im Oktober damit mehr als ein Drittel aller Exporte ausgemacht. Dies sei der höchste Wert seit 1990 gewesen. Die Exporte nach China und Hongkong stiegen im selben Zeitraum lediglich um 3,2 Prozent.

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Das starke Wirtschaftswachstum stützt die Einschätzung, dass die taiwanische Zentralbank die Zinssätze bei ihrer Sitzung im Dezember unverändert lassen wird, sagte Analyst Wang. Für 2026 rechnet das Statistikamt mit einem Exportwachstum von 6,32 Prozent, hieß es zudem.