SpOn 25.01.2026
05:22 Uhr

Taipeh 101: Alex Honnold meistert umstrittene Kletteraktion in anderthalb Stunden


Die Besteigung des Wolkenkratzers war umstritten. Vor allem, weil Freeclimber Alex Honnold bei dem waghalsigen Unterfangen live gestreamt wurde. Nach anderthalb Stunden war das Spektakel vorbei.

Taipeh 101: Alex Honnold meistert umstrittene Kletteraktion in anderthalb Stunden

US-Freeclimber Alex Honnold hat sich den Traum von einer Wolkenkratzer-Besteigung erfüllt. Der 40-Jährige kletterte in rund anderthalb Stunden ohne jegliche Absicherung auf den 508 Meter hohen Taipeh 101 in Taiwans Hauptstadt. Die Aktion wurde live via Netflix gestreamt – was für massive Kritik gesorgt hatte.

»Ich bin total gehypt, unglaublich!«, sagte Honnold, nachdem er es schließlich geschafft hatte. Auf der Spitze des Gebäudes schoss der Extremsportler zunächst ein Selfie, ehe er der jubelnden Menge am Boden zuwinkte. Honnold, der als einer der weltweit besten Freikletterer gilt, benötigte für seinen Aufstieg an der Fassade des pagodenartig gebauten Hochhauses entlang eine Stunde und knapp 32 Minuten.

Alex Honnold beim Aufstieg: »Ich bin total gehypt«

Alex Honnold beim Aufstieg: »Ich bin total gehypt«

Foto: I-Hwa Cheng / AFP

Vor der Aktion hatten Medienwissenschaftler die geplante Liveübertragung massiv kritisiert. »Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich in eine Todesrisiko-Situation begeben, halte ich persönlich für ethisch nicht vertretbar«, sagte etwa der deutsche Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky dem Schweizer Rundfunksender SRF.

Von Schaulustigen hinter den Fensterscheiben fotografiert

Wegen Regens war ein erster Kletterversuch am Samstagmorgen in Taipeh abgesagt und auf Sonntag verschoben worden. Sie seien auf die Gnade der Natur angewiesen, betonte der Star-Kletter, der in den Tagen vorher mit Seil am Taipeh 101 geübt hatte. Rund zweieinhalb Monate bereitete sich Honnold speziell auf den Wolkenkratzer vor.

Der verheiratete Vater von zwei kleinen Kindern verzichtet für gewöhnlich auf ein Seil oder andere Absicherungen – so auch beim Live-Spektakel in Taipeh, das Netflix »Skyscraper live« nannte. Während des Aufstiegs wurde Honnold immer wieder von Schaulustigen hinter den Fensterscheiben der Büroetagen fotografiert und lautstark angefeuert. Davon ließ er sich jedoch nicht beirren: Es sei cool, die Erfahrung mit all den Leuten zu teilen, sagte Honnold.

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Honnold erlangte über die Freikletterszene hinaus große Bekanntheit durch den Film »Free Solo«. Die Produktion gewann 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm. Gezeigt wird, wie Honnold die 915-Meter-Wand des El Capitan im Yosemite-Nationalpark bezwingt. Insgesamt klettert der Extremsportler bereits seit rund 30 Jahren.

jon/dpa