SpOn 21.01.2026
16:47 Uhr

Syriens »Schlächter von Hama« Rifaat al-Assad ist laut Medienbericht tot


Er hat einen Aufstand niederprügeln lassen, die Opfer wurden misshandelt und getötet. Später musste er selbst fliehen und sammelte Immobilien in Europa. Nun ist der frühere syrische Vizepräsident Rifaat al-Assad offenbar gestorben.

Syriens »Schlächter von Hama« Rifaat al-Assad ist laut Medienbericht tot

Der ehemalige syrische Vizepräsident Rifaat al-Assad ist laut Medienberichten tot. Die Nachrichtenseite »The National« berichtet unter Berufung auf zwei enge Familienfreunde, dass er im Alter von 88 Jahren eines natürlichen Todes gestorben sei. Die Nachrichtenagentur AFP meldete kurz darauf unter Berufung auf einen ehemaligen Mitarbeiter des syrischen Präsidentenpalasts sowie einen Ex-Offizier, dass Rifaat al-Assad »nach einer einwöchigen Grippe« verstorben sei. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Rifaat al-Assad war der Onkel von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad und der Bruder dessen Vorgängers und Vaters Hafis al-Assad. In den Siebziger- und Achtzigerjahren galt er als eine der mächtigsten Figuren des syrischen Machtapparats.

»Der Schlächter von Hama«

Rifaat al-Assad galt als Hauptverantwortlicher für die Niederschlagung des Aufstands in Hama 1982 und wurde dafür auch als »Schlächter von Hama« bezeichnet. Damals wurden syrische Sicherheitskräfte in die Stadt entsandt, um einen Aufstand der islamistischen Opposition niederzuschlagen. Dabei sollen mehrere Tausend Zivilisten inhaftiert, misshandelt und getötet worden sein. Rifaat al-Assad war damals Kommandeur der Verteidigungsbrigaden.

Diktatoren-Clan al-Assad auf einem undatierten Familienfoto: Bild aus besseren Zeiten

Diktatoren-Clan al-Assad auf einem undatierten Familienfoto: Bild aus besseren Zeiten

Foto: epa afp Louai Beshara / dpa / picture alliance

Nach einem gescheiterten Machtkampf mit seinem Bruder wurde er 1984 ins Exil gezwungen und lebte jahrzehntelang in Europa. Rifaat al-Assads Immobiliensammlung umfasste ein Schloss, Gestüte, zwei vornehme Pariser Stadthäuser und rund 40 Wohnungen. Das Geld dafür beschaffte er sich auf illegalem Weg.

Einer drohenden vierjährigen Haftstrafe wegen Geldwäsche und Veruntreuung staatlicher Gelder in Frankreich entzog er sich durch eine Rückkehr nach Syrien.

Sein Neffe rettete ihn vor der Justiz in Europa

Ex-Präsident Baschar al-Assad erlaubte ihm die Rückkehr nach Jahrzehnten im Exil. In der Schweiz wurde er wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den Achtzigerjahren angeklagt.

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Nach dem Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024 soll Rifaat al-Assad Medienberichten zufolge über den Libanon ins Ausland geflohen sein.

Das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land kommt bis heute nicht zur Ruhe. In den vergangenen Tagen kam es im Nordosten des Landes erneut zu Kämpfen. Die kurdische SDF-Miliz und die Zentralregierung ringen dort auch 13 Monate nach Ende des Assad-Regimes um die Macht.

jpe/AFP/dpa