SpOn 24.01.2026
22:34 Uhr

Syrien verlängert Waffenruhe mit Kurden-Milizen


Im Konflikt zwischen der syrischen Regierung und kurdischen Gruppen sollen die Waffen zwei weitere Wochen lang ruhen. In der Zeit sollen IS-Gefangene in den Irak verlegt werden, darunter auch Deutsche.

Syrien verlängert Waffenruhe mit Kurden-Milizen

Wenige Stunden nach Ablauf der Waffenruhe in Syrien hat das Verteidigungsministerium eine Verlängerung des Abkommens um 15 Tage verkündet. Dies bestätigten auch die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die Entscheidung sei durch internationale Vermittlung erzielt worden, hieß es von den SDF.

Die Verlängerung soll die Verlegung von Inhaftierten aus Gefängnissen für Kämpfer der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) in den Irak erleichtern, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Die syrische Übergangsregierung war in den vergangenen Wochen militärisch gegen die bisher von Kurden kontrollierten Gebiete im Nordosten des Landes vorgegangen. Bei den Gefechten konnten die Regierungstruppen große Gebiete unter staatliche Kontrolle bringen.

Inhaftierte IS-Kämpfer sollen entkommen sein

In den Gebieten im Nordosten des Landes liegen auch die bis zuletzt von kurdischen Kräften kontrollierten Gefängnisse und Lager für IS-Kämpfer und deren Angehörige. Die Regierungstruppen haben die Kontrolle einiger der Lager und Haftanstalten übernommen. Wegen der Kämpfe bestand die Sorge eines Kontrollverlusts über die Gefängnisse und deren Insassen. Einige Inhaftierte sollen entkommen sein.

Am Sonntag vergangener Woche unterzeichneten Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa – ein früherer Dschihadist – und SDF-Chef Mazloum Abdi dann ein Waffenruheabkommen. Es trat am Dienstag in Kraft und sieht vor, dass die kurdische Verwaltung in Nord- und Nordostsyrien in die syrische Zentralregierung integriert wird. Zudem soll der syrische Staat die »Verantwortung« für die IS-Gefangenen übernehmen, die bislang bei den Kurden lag.

Im Zuge der Waffenruhe haben die USA begonnen, Dutzende inhaftierte IS-Anhänger in den Irak zu verlegen. Der Plan ist es, bis zu 7000 von ihnen in das Nachbarland zu verlegen. Nach irakischen Angaben handelt es sich dabei um Personen mit irakischen und ausländischen Staatsbürgerschaften.

Auswärtiges Amt will Deutsche nicht zurückholen

Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) waren nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden vor Beginn der Offensive etwa 40 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit im Gewahrsam kurdischer Kräfte. Ob diese auch in den Irak verlegt werden, ist nicht klar. Nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amts ist eine Rückholung der inhaftierten Männer derzeit nicht geplant.

Die zunächst auf vier Tage angelegte Waffenruhe zwischen der syrischen Armee und den kurdischen Milizen lief offiziell am Samstag um 20:00 Uhr Ortszeit aus. Zuvor hatte es geheißen, die Waffenruhe solle verlängert werden – eine offizielle Erklärung dazu gab es aber zunächst nicht. Erst drei Stunden nach dem Auslaufen der Waffenruhe verkündete das syrische Verteidigungsministerium die Verlängerung um weitere zwei Wochen.

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Beim Sieg über die IS-Miliz in Syrien 2019 hatten die von den USA unterstützten SDF eine entscheidende Rolle gespielt. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterstützt nun die neue islamistische Übergangsregierung von Ahmed al-Scharaa. Dessen islamistische HTS-Miliz hatte im Dezember 2024 den Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad herbeigeführt.

Al-Sharaas Übergangsregierung wird vorgeworfen, die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen. Die Menschenrechtslage in dem Land gilt als fragil.

jah/AFP/dpa