Mehrere Frauen und Kinder haben einen Fluchtversuch aus dem berüchtigten Lager al-Haul im Nordosten Syriens versucht. Dort leben Menschen, die Verbindungen zur Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) haben sollen. Sicherheitskräfte hätten den Fluchtversuch von 18 ausländischen Frauen und Kindern in den frühen Morgenstunden vereiteln könnten, bestätigte die Direktorin des Camps. Bereits zuvor hat es immer mal wieder ähnliche Versuche von Bewohnern gegeben.
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In al-Haul und ähnlichen Camps nahe der irakischen Grenze sind vor allem Angehörige von IS-Mitgliedern untergebracht. Die Terrormiliz gilt als besiegt. Einzelne Zellen sind weiter aktiv. Nach dem Sturz von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad bestand die Sorge, dass die Dschihadisten wieder an Macht gewinnen könnten.
Das Camp wird von den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrolliert. Es gilt offiziell als Flüchtlingslager. Bewohnern und Menschenrechtsorganisationen zufolge gleicht es eher einem Gefängnis. Die Bewohner können das Lager nicht einfach auf eigenen Wunsch verlassen.
Auch deutsche Familien leben noch im Lager
Der IS probiere weiterhin Einfluss auf die Einwohner auszuüben. IS-Zellen stifteten laut internen Verantwortlichen zu Morden, Vergewaltigungen und Angriffen im Lager an. Viele Kinder und Frauen sind in dem Lager Hilfsorganisationen zufolge ständiger Gewalt und der Ideologie des IS ausgesetzt. Ehemalige Bewohnerinnen berichteten der dpa, dass es keine richtigen Schulen und kaum Bildung abseits der IS-Ideologien gebe.
Die syrische Übergangsregierung hatte sich im Mai mit SDF auf die Rückführung erster Familien von IS-Angehörigen geeinigt. Bisher wurden Familien vor allem die Rückkehr aus humanitären Gründen gestattet, etwa wenn ein Familienmitglied krank ist. Hauptsächlich irakische und syrische Familien haben das Al-Haul-Lager in den vergangenen Monaten verlassen. Mit der Reintegration in die Gesellschaft bleibt die Sorge vor einem Wiedererstarken des IS bestehen.
Das Al-Hol-Camp beherbergt derzeit rund 38.900 Menschen, darunter 6385 Ausländer aus 42 Nationen. Auch deutsche Staatsangehörige befinden sich noch dort. Drei deutsche Familien mit insgesamt 13 Mitgliedern sollen noch im Camp leben.
