Im syrischen Aleppo eskalierte zuletzt erneut die Gewalt. Nach dem Abklingen der Gefechte zwischen syrischen Truppen und kurdischen Kräften hat die Armee nun erneut Orte nahe der Millionenstadt zu militärischen Sperrzonen erklärt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana veröffentlichte eine Karte mit den eingezeichneten Zonen.
Die Armee warf den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, sich unter anderem in Deir Harfa und Masakana zusammen mit der PKK und Überresten der früheren Assad-Regierung militärisch neu organisiert zu haben. Bewohner sollten sich von SDF-Stellungen fernhalten. Alle bewaffneten Gruppen seien aufgerufen, sich östlich des angrenzenden Euphrats zurückzuziehen.
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Die SDF haben die Vorwürfe zurückgewiesen. In den genannten Gebieten gebe es »keine militärischen Bewegungen oder Truppenaufstockungen«, hieß es in einer Presseerklärung. Alle kursierenden Behauptungen seien unbegründet.
In der vergangenen Woche hatte es in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den SDF samt ihren Verbündeten gegeben. Beide Seiten gaben einander die Schuld an der Gewalteskalation. Laut syrischen Behörden wurden durch die Kämpfe mindestens 24 Menschen getötet und 129 weitere verletzt.
Sorge um Rechte von Minderheiten wächst
Nach tagelangen Gefechten in den de facto kurdisch kontrollierten Stadtteilen wurden die Kämpfe am Sonntag eingestellt. Die kurdischen Kämpfer zogen sich aus den umkämpften Gebieten zurück.
Hintergrund ist der Streit über eine geplante Eingliederung der kurdischen Institutionen und auch der kurdischen Kämpfer in die staatliche Ordnung. Ein Abkommen dazu wurde bisher nicht umgesetzt.
Seit dem Sturz des syrischen Langzeit-Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 wurde das im Nordwesten des Landes gelegene Aleppo bereits weitgehend von der neuen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die mehrheitlich von Kurden bewohnten Viertel Scheich Maksud und Aschrafijeh hatten zuletzt noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten gestanden.
Unter der syrischen Übergangsregierung hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der Regierung in Damaskus mit dem früheren Dschihadisten Ahmed al-Sharaa an der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen.
