Rund ein Jahr nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad bleibt die Lage in Syrien volatil. Im Westen des Landes kam es nun laut übereinstimmenden Berichten erneut zu tödlichen Kämpfen zwischen Mitgliedern der alawitischen Minderheit und Anhängern der in Damaskus ansässigen Regierung des Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa.
Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete aus der Hafenstadt Latakia von mindestens vier Menschen, die im Zuge der bewaffneten Auseinandersetzungen getötet worden seien.
Die staatliche Nachrichtenagentur Sana teilte indes mit, 60 Menschen seien durch »Messerstiche, Schläge mit Steinen und Schüsse, die sowohl auf Sicherheitspersonal als auch auf Zivilisten abzielten«, verletzt worden. Ein Mitglied der staatlichen Sicherheitskräfte der Regierung sei in Latakia von Bewaffneten getötet worden, die mit dem im Dezember 2024 gestürzten Assad-Regime in Verbindung stehen sollen, hieß es von Sana. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Ein Verletzer wird nach Auseinandersetzungen in Latakia in Sicherheit gebracht
Foto: Omar Albam / APLaut der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte der prominente alawitische Führer Ghasal Ghasal zuvor aus dem Exil zu Protesten aufgerufen. Der Beobachtungsstelle zufolge seien die Menschen von Regierungsanhängern und Sicherheitskräften angegriffen worden. Demonstrationen hätten auch in den syrischen Provinzen Tartus, Homs und Hama stattgefunden.
Auf Fotos der Proteste waren unter anderem Plakate mit der Aufschrift »Stoppt das Töten von Alawiten« zu lesen. Die Alawiten fordern in dem weiter im Aufbau befindlichen Staat ihr Recht auf Selbstbestimmung ein.
Die Provinz Latakia wird überwiegend von Alawiten bewohnt, auch der im Dezember 2024 ins russische Exil geflüchtete Assad gehört der Minderheit an. Während seiner Herrschaft waren Alawiten in Regierung, Armee und Sicherheitsbehörden gemessen an ihrer Gesamtzahl in der Bevölkerung überrepräsentiert.
Mindestens 18 Tote bei Angriff auf Moschee
Die tödlichen Ausschreitungen zeugen erneut von der fragilen Lage, in der sich das Land unter Präsident Sharaa weiterhin befindet. Am Freitag war erstmals seit dem Sturz von Assad ein Anschlag auf eine Moschee in Homs verübt worden.
Dabei wurden den Behörden zufolge durch Sprengsätze acht Menschen getötet und 18 weitere verletzt. Das Gotteshaus wurde vor allem von Alawiten besucht. Das Innenministerium sprach von einem Terroranschlag.
Laut AP hat sich die eher unbekannte Gruppierung Saraya Ansar al-Sunna in einer Mitteilung auf Telegram zu dem Anschlag bekannt. Demnach richtete sich die Attacke gezielt gegen Alawiten. Die schiitische Minderheit wird von einigen islamistischen Hardlinern als abtrünnig betrachtet.
Die Eskalation der Gewalt schürt erneut Befürchtungen, Syrien könnte nach Jahren der Diktatur in einen Bürgerkrieg rutschen. Uno-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff auf die Moschee in Homs scharf. »Angriffe auf Zivilisten und Kultstätten sind inakzeptabel«, so Guterres. Die syrischen Behörden müssten die Täter identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.
