Nach dem Rückzug der kurdisch dominierten Miliz Demokratische Kräfte Syriens (SDF) ist die syrische Armee in Teile der Provinz Deir Essor im Osten des Landes vorgerückt. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, überquerten Dutzende Militärfahrzeuge den Euphrat in Richtung Osten. Der Fluss markierte bislang die Grenze zu den kurdisch kontrollierten Gebieten.
Vor einer Brücke über den Euphrat stauten sich Autos, Lastwagen und Motorräder. Mehrere Menschen überquerten den Fluss zu Fuß.
Die syrische Armee bestätigte die Entsendung der Truppen. Die Soldaten rückten laut einer Erklärung in das Gebiet Dschasira vor, um das am Sonntag vom syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa vorgestellte Abkommen zwischen dem Zentralstaat und der SDF »abzusichern«.
Mehrere Tote und Verletzte bei Kämpfen
Trotz des Abkommens meldeten sowohl die syrische Armee als auch kurdische Kräfte am Montag weitere Kämpfe. Die Armee schrieb von drei getöteten und weiteren verletzten Soldaten bei Auseinandersetzungen, machte aber zunächst keine Angaben zum Ort der Kämpfe. Die kurdischen Kämpfer warfen der Armee vor, ihre Angriffe »trotz des Waffenstillstands fortzuführen«. Demnach kam es unter anderem in der Nähe eines Gefängnisses zu Kämpfen, in denen sich Mitglieder der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) befinden.
Die Vereinbarung zwischen der Regierung in Damaskus und der SDF sieht die Übergabe der bislang kurdisch kontrollierten Provinzen Deir Essor und Raqqa an die Zentralregierung vor, in denen die Bevölkerungsmehrheit aus Arabern besteht.
Die SDF hatte ihrerseits am Sonntag ihren Rückzug aus bislang von ihr kontrollierten Gebieten im Osten von Deir Essor bekannt gegeben, darunter die Ölfelder von al-Omar und Tanak.
Bei ihrer Offensive im Norden und Osten des Landes hatten syrische Regierungstruppen in den vergangenen Tagen kurdische Kämpfer aus mehreren bisher von ihnen beherrschten Gebieten vertrieben, darunter zwei Stadtviertel der nordsyrischen Großstadt Aleppo.
Anfang der Woche sollte der syrische Übergangspräsident Sharaa in Berlin Friedrich Merz treffen. Doch dann wurde der Besuch am Sonntagabend verschoben – wegen der Kämpfe in Syrien. Mehr dazu lesen Sie hier .
