SpOn 23.11.2025
10:03 Uhr

Super-Recognizerin bei der Polizei in Berlin: Lange nicht gesehen ...


...und doch wiedererkannt. Claudia besitzt eine seltene Fähigkeit: Sie kann sich extrem gut Gesichter merken. Bei der Berliner Polizei setzt sie dieses Talent ein, um Täter aufzuspüren.

Super-Recognizerin bei der Polizei in Berlin: Lange nicht gesehen ...

Schon als Kind bin ich ständig Personen begegnet, die ich schon mal gesehen hatte – und ich wusste auch immer genau, wo. Aber wenn ich jemanden darauf ansprach, wurde ich bloß mit großen Augen angeschaut. Die Personen, die ich wiedererkannt habe, konnten mich nicht zuordnen.

Solche Erfahrungen machen viele Super-Recognizer. So werden Leute wie ich genannt. Übersetzt heißt das so viel wie: Super-Erkenner. Wir besitzen die angeborene Fähigkeit, uns besonders gut Gesichter merken zu können. Merkmale wie Augen, Nase und Mund prägen wir uns sofort ein. Das läuft ganz automatisch ab. Man kann sich das so vorstellen, als würde man mit seinen Augen unbewusst ein Foto von jemandem schießen und es für immer in seinem Kopf abspeichern.

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Anhand dieser ›Fotos‹ können wir sogar Menschen wiedererkennen, die wir nur flüchtig gesehen haben. Und zwar auch, wenn viele Jahre vergangen sind und die Personen anders aussehen als früher, also zum Beispiel eine andere Frisur tragen oder ein fülligeres Gesicht haben.

Manche halten diese Fähigkeit für außergewöhnlich, für mich ist sie ganz normal. Heute gehört sie auch zu meinem Beruf. Ich arbeite bei der Polizei Berlin. Dort leite ich ein Team, dem vier weitere Super-Recognizer angehören. Sie wurden über ein wissenschaftliches Testverfahren gefunden, an dem 1500 Berliner Polizeibeamtinnen und -beamte teilgenommen haben.

Mit unserer Fähigkeit helfen wir dabei, gesuchte Personen aufzuspüren und zu identifizieren. Einerseits arbeiten wir vom Schreibtisch aus, wo wir uns Videos und Bilder von Straftaten anschauen, um Täterinnen und Täter zu finden. Andererseits sind wir draußen im Einsatz, etwa bei Großveranstaltungen. Bei einem Fußballspiel hatten wir zum Beispiel den Auftrag, eine verdächtige Person im voll besetzten Olympiastadion auszumachen. Dort passen 70.000 Leute rein. Wir haben die Person nach 18 Minuten gefunden.

Damit wir bei solchen Ein­sätzen nicht entdeckt werden, müssen wir anonym bleiben. Die Öffentlichkeit soll nicht wissen, wie wir heißen, wie alt wir sind oder wie wir aussehen. So stel­len wir zudem unseren Schutz sicher.

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