SpOn 02.03.2026
13:17 Uhr

Südsudan: Mindestens 169 Menschen bei Angriffen getötet


Seit dem Scheitern der Übergangsregierung toben im Südsudan Machtkämpfe. Jetzt sollen Dutzende Menschen getötet worden sein, darunter Kinder und Frauen. Die Uno warnt seit Monaten vor einem »humanitären Albtraum«.

Südsudan: Mindestens 169 Menschen bei Angriffen getötet

Mindestens 169 Menschen sind bei Angriffen im Südsudan getötet worden. Unbekannte bewaffnete Gruppen seien am Sonntag in Ortschaften im Verwaltungsbezirk Ruweng, der im Norden des Landes an den Sudan grenzt, eingefallen, sagte James Monyluak Mijok, der Informationsminister des Bezirks, der Nachrichtenagentur dpa. Unter den Todesopfern befänden sich demnach Kinder, Frauen und ältere Menschen sowie Sicherheitskräfte. Zunächst war von 122 Toten die Rede.

Nyakenya Johannes Keah Ruai, die Informationsministerin des Bundesstaates Unity, in dem Ruweng liegt, sagte dem Lokalen Radiosender Tamazuj, die Regierung habe Soldaten in das Gebiet geschickt, um die Lage vor Ort zu entschärfen. Zudem seien Untersuchungen eingeleitet worden, um die Identität der Täter sowie die Ursache der Angriffe zu ermitteln.

Auch die UN-Friedensmission im Südsudan (Unmiss) berichtete von Dutzenden Toten und bezeichnete die »eskalierende Gewalt« in der Region als »alarmierend«. Mehr als 1000 Zivilisten seien seit Sonntag auf eine Unmiss-Basis in der Region geflüchtet. Zahlreiche Verletzte erhielten dort medizinische Notfallversorgung.

Die jüngste Gewalt unterstreicht die Sorgen, die unter anderem die Vereinten Nationen mehrfach wiederholt haben, über die ​zunehmende Instabilität ‌in der Region.

Luftangriffe, Tötungen, sexuelle Gewalt

Erst vergangene Woche hatte Uno-Menschenrechtskommissar Volker Türk gewarnt, Zivilisten im Südsudan seien zunehmend Opfer von wahllosen Luftangriffen, gezielten Tötungen, Entführungen und sexualisierter Gewalt. »Wir befinden uns an einem gefährlichen Punkt«, sagte Türk. Die Gewalt treffe auf wachsende Unsicherheit über die politische Zukunft des Landes. Für die Eskalation verantwortlich seien Regierungstruppen, Oppositionskräfte und mit ihnen verbündete Milizen. In mehreren Bundesstaaten hätten sie in den vergangenen drei Monaten Angriffe auf Wohngebiete verübt. Allein im Bundesstaat Jonglei seien mehr als 280.000 Menschen auf der Flucht. Ab Januar habe sich die Lage weiter verschärft, so Türk. »Menschenrechtsverletzungen und Missbrauch nahmen im Vergleich zum Dezember um 45 Prozent zu.«

Der Südsudan ist das jüngste Land der Welt, es hatte sich 2011 vom Sudan abgespalten. Es gilt trotz großer Ölvorkommen als einer der ärmsten Staaten der Welt.

Ein gescheitertes Friedensabkommen

In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage im Land zunehmend verschlechtert, nachdem der Konflikt zwischen Anhängern des Präsidenten Salva Kiir und Unterstützern des Ende März festgenommenen Vizepräsidenten Riek Machar wieder aufgeflammt war. Ein 2018 geschlossenes Friedensabkommen, das einen fünfjährigen Bürgerkrieg mit rund 400.000 Todesopfern beendet hatte, ist vor wenigen Wochen gescheitert. Seitdem kam es erneut zu zahlreichen Zusammenstößen. Beide Seiten lieferten sich wiederholt wegen Fragen ​der ⁠Machtverteilung gewalttätige Auseinandersetzungen.

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Die Uno ist mit einer Blauhelmmission vor Ort im Südsudan. An dieser beteiligt sich die Bundeswehr seit 2011 hauptsächlich mit Einzelpersonal in Stäben und Hauptquartieren der Vereinten Nationen. Die Obergrenze lag hier bei 50 Einsatzkräften. Ziele der Mission sind unter anderem der Bevölkerungsschutz, die Wahrung der Menschenrechte und der Zugang zu humanitärer Hilfe.

naw/AFP/KNA/dpa