122 Menschen sind bei Angriffen im Südsudan getötet worden, darunter 82 Kinder, Frauen und ältere Menschen. Eine Gruppe bislang unbekannter Männer hat am Sonntag eine Ortschaft im Verwaltungsbezirk Ruweng angegriffen. Das teilte das regionale Informationsministerium am Montag mit. Bei dem Angriff seien 50 weitere Menschen verletzt worden.
Die jüngste Gewalt unterstreicht die Sorgen, die unter anderem die Vereinten Nationen mehrfach wiederholt haben, über die zunehmende Instabilität in der Region.
Luftangriffe, Tötungen, sexuelle Gewalt
Erst vergangene Woche hatte Uno-Menschenrechtskommissar Volker Türk gewarnt, Zivilisten im Südsudan seien zunehmend Opfer von wahllosen Luftangriffen, gezielten Tötungen, Entführungen und sexualisierter Gewalt. »Wir befinden uns an einem gefährlichen Punkt«, sagte Türk. Die Gewalt treffe auf wachsende Unsicherheit über die politische Zukunft des Landes. Für die Eskalation verantwortlich seien Regierungstruppen, Oppositionskräfte und mit ihnen verbündete Milizen. In mehreren Bundesstaaten hätten sie in den vergangenen drei Monaten Angriffe auf Wohngebiete verübt. Allein im Bundesstaat Jonglei seien mehr als 280.000 Menschen auf der Flucht. Ab Januar habe sich die Lage weiter verschärft, so Türk. »Menschenrechtsverletzungen und Missbrauch nahmen im Vergleich zum Dezember um 45 Prozent zu.«
Der Südsudan ist das jüngste Land der Welt, es hatte sich 2011 vom Sudan abgespalten. Es gilt trotz großer Ölvorkommen als einer der ärmsten Staaten der Welt.
Ein gescheitertes Friedensabkommen
In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage im Land zunehmend verschlechtert, nachdem der Konflikt zwischen Anhängern des Präsidenten Salva Kiir und Unterstützern des Ende März festgenommenen Vizepräsidenten Riek Machar wieder aufgeflammt war. Ein 2018 geschlossenes Friedensabkommen, das einen fünfjährigen Bürgerkrieg mit rund 400.000 Todesopfern beendet hatte, ist vor wenigen Wochen gescheitert. Seitdem kam es erneut zu zahlreichen Zusammenstößen. Beide Seiten lieferten sich wiederholt wegen Fragen der Machtverteilung gewalttätige Auseinandersetzungen.
Die Uno ist mit einer Blauhelmmission vor Ort im Südsudan. An dieser beteiligt sich die Bundeswehr seit 2011 hauptsächlich mit Einzelpersonal in Stäben und Hauptquartieren der Vereinten Nationen. Die Obergrenze lag hier bei 50 Einsatzkräften. Ziele der Mission sind unter anderem der Bevölkerungsschutz, die Wahrung der Menschenrechte und der Zugang zu humanitärer Hilfe.
In Kordofan tobt der sudanesische Bürgerkrieg gerade brutal. Der Diplomat Jan Egeland hat die Region besucht – und berichtet von einer Mutter und ihren drei Kindern. Sie leben von fünf Litern Wasser und ein paar Stücken Brot. Ein Gespräch mit Egeland lesen Sie hier .
