SpOn 19.02.2026
13:09 Uhr

Sudan – RSF: Uno-Ermittler sehen Anzeichen für Völkermord


Die humanitäre Lage im Sudan ist katastrophal. Die Kämpfe zwischen der regulären Armee und der Miliz RSF haben sich verlagert. Zurück bleiben Gräueltaten, die laut einer unabhängigen Kommission Merkmale eines Genozids aufweisen.

Sudan – RSF: Uno-Ermittler sehen Anzeichen für Völkermord

Gibt es einen Völkermord im Sudan? Eine von der Uno eingesetzte unabhängige Kommission sieht zumindest Anzeichen dafür. Ein nun veröffentlichter Bericht bezieht sich auf die Miliz Rapid Support Forces (RSF) und ihr Vorgehen gegen nicht arabische Bevölkerungsgruppen. Zu den Merkmalen zählen laut der Kommission willkürliche Tötungen einer ethnischen Gruppe, das Verursachen von körperlichem und seelischem Leid sowie das Schaffen von Lebensbedingungen mit dem Ziel der Vernichtung der Menschen.

Im Sudan kämpfen seit April 2023 die reguläre Armee und die RSF um die Macht. Auch der sudanesischen Armee werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, etwa Bombardements ziviler Ziele. Die Uno bezeichnet die Lage als größte humanitäre Krise der Welt.

Ein verwundetes Kind in Faschir

Ein verwundetes Kind in Faschir

Foto: Mohamed Jamal / AFP

Die um die Großstadt Faschir in der Region Nord-Darfur begangenen Verbrechen seien keine willkürlichen Kriegsausbrüche gewesen, sagte Mohamed Chande Othman, Vorsitzender der Kommission. »Sie waren Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die Merkmale eines Völkermords aufweist.« Der Einnahme von Faschir sei eine 18-monatige Belagerung vorausgegangen, die die Bevölkerung systematisch durch Hunger, Entbehrung, Traumatisierung und Gefangenschaft geschwächt habe.

Die gezielte Vergewaltigung und Verfolgung von Frauen und Mädchen der afrikanischen Volksgruppen Zaghawa und Fur, während Frauen, die als Araberinnen wahrgenommen würden, oft verschont blieben, unterstreiche den diskriminierenden und zerstörerischen Zweck dieser Gewalt, heißt es.

Das Humanitarian Research Lab der US-Universität Yale, das mithilfe von Satellitenaufnahmen forensische Untersuchungen des Konflikts betreibt, geht davon aus, dass in den Wochen nach der Eroberung Faschirs mindestens 60.000 Menschen getötet worden sein könnten.

Sorgen vor Wiederholung

Experten fürchten aktuell eine Wiederholung der Vorgänge. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und RSF haben sich in die zentralsudanesische Region Kordofan verlagert , wo die RSF die Stadt Kadugli belagert. Auch dort hat sich nach Angaben örtlicher Helfer die Versorgungssituation dramatisch zugespitzt.

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Die Region Darfur im Westen des Sudan war bereits 2003 Schauplatz von Massakern an afrikanischen Volksgruppen durch arabische Reitermilizen. Schon vor der Eroberung Faschirs war es in anderen Teilen Darfurs zu Massakern, Folter und sexueller Gewalt durch Kämpfer der RSF gekommen.

Im SPIEGEL erklärte Uno-Nothilfekoordinator Tom Fletcher, was die Uno trotz großen Geldmangels im Sudan tun kann. Das ganze Interview lesen Sie hier .

hba/dpa