SpOn 12.01.2026
21:37 Uhr

Stuttgart: Jesus schleimiger Hülle dargestellt – Diözese zeigt sich zerknirscht


Eine im TV übertragene Christmette zog mit einer gewagten Jesusdarstellung Kritik auf sich. Nun meldet sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu Wort: »Diese Abweichungen waren nicht korrekt und werden aufgearbeitet.«

Stuttgart: Jesus schleimiger Hülle dargestellt – Diözese zeigt sich zerknirscht

Zu sehen war ein erwachsener Mann auf einem Strohhaufen, gehüllt in nasses Reispapier. »Die Krippe zeigt einen echten Menschen, er liegt dort elend, nackt und bloß«, sagte SWR-Rundfunkpfarrer Thomas Steiger angesichts der auf eine Geburt anspielende Szene. »So radikal wird Gott Mensch; nah, berührbar, ohne Distanz, echt.« Die Künstlerin Milena Lorek hatte die schleimige Installation eigens für den Gottesdienst geschaffen.

Drei Wochen nach der im Ersten übertragene Christmette  aus der katholischen Kirche Sankt Maria in Stuttgart hat sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart nun mit kritischen Worten von dem Weihnachtsgottesdienst in ihrem Gebäude distanziert. »Die Reaktionen auf die Übertragung haben gezeigt, dass religiöse Gefühle verletzt wurden«, teilte die Diözese auf ihrer Website  mit.

Im Anschluss an den Gottesdienst war es zu empörten Reaktionen gekommen, die »Bild «-Zeitung sprach von einem »Schleim-Jesus« zitierte unter anderem den Stuttgarter CDU-Lokalpolitiker Klaus Nöpper mit den Worten »Das ist eklig!«.

Szene aus der Christmette: »Bild«-Zeitung sprach von »Schleim-Jesus«

Szene aus der Christmette: »Bild«-Zeitung sprach von »Schleim-Jesus«

Foto: SWR

Auch der früheren CDU-Bundestagsabgeordnete Maximilian Mörseburg übte in dem Blatt Kritik: »Vertreter beider großen Kirchen führen unsere Religion immer öfter ins Absurde und nehmen ihr die Würde.« Der Vorfall wurde daraufhin in rechtspopulistischen Medien aufgegriffen, eine Sprecherin des ausstrahlenden SWR sagte der katholischen Nachrichtenagentur KNA nun, es seien 1400 Beschwerdemails eingegangen.

In der Erklärung der Diözese heißt es nun, »dass zu keinem Zeitpunkt eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte« beabsichtigt gewesen sei. »Gleichwohl ist deutlich geworden, dass die gewählte Form der Darstellung bei vielen Menschen Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst hat – insbesondere an einem Hochfest wie Weihnachten.«

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Auch sei es zu Abweichungen von der liturgischen Ordnung gekommen. So sei die Liturgie mit Blick auf das Fernsehformat freier gestaltet worden, als dies zulässig sei. »Diese Abweichungen waren so nicht korrekt und werden aufgearbeitet.« Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse würden nun »verbindlich geschärft«.

Eine Sprecherin des SWR sagte der KNA: »Wir bedauern sehr, dass die Christmette an Heiligabend auf Missfallen gestoßen ist und Menschen sich dadurch in ihrem Glauben verletzt gefühlt haben.«

sol/KNA