SpOn 23.02.2026
10:49 Uhr

Studieren in Rosenheim: Campus, Wohnviertel, WG-Zimmer-Preise, Kneipen


Tagesausflug nach München oder doch lieber eine Wanderung? Von Rosenheim aus geht beides. Florentine Hoppe erzählt von einem studentischen Alltag mit starken Traditionen – zum Beispiel dem »Hut der Schande«.

Studieren in Rosenheim: Campus, Wohnviertel, WG-Zimmer-Preise, Kneipen

Die Verbindung zum Holz ist tief in der Geschichte Rosenheims verwurzelt. Lange Zeit war die oberbayerische Stadt nämlich einer der größten Holzumschlagplätze Deutschlands. Aus dieser Historie entwickelte sich auch die Technische Hochschule Rosenheim, die heute als bedeutendes Ausbildungszentrum im Bereich Holz gilt.

Hier studiert auch Florentine Hoppe. Die 26-Jährige tauschte vor knapp vier Jahren Berlin gegen Bayern und ist heute im siebten Semester Innenausbau. Damit ist sie eine sogenannte Holzerin. Hier erzählt sie, welche ungewöhnliche Tradition das mit sich bringt und welche bayerischen Klischees einen wahren Kern haben.

Stadt, Land, Studium

Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.

Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?

Campusleben: Standort, Mensa und Café

»Etwas zusammengewürfelt wirken die fünf Gebäude der Technischen Hochschule Rosenheim schon. Einige sind sehr modern, mit viel Holz und Stahl, anderen sieht man ihr Alter an. Dazwischen liegen zahlreiche Labore und Werkstätten.

Abgesehen von Seminaren und Vorlesungen finden auf dem Campus auch ziemlich viele Feste statt. Besonders lustig finde ich den Bieranstich, zu dem regelmäßig über tausend Menschen kommen. Für ausgelassene Stimmung sorgt die Band der Hochschule. Aber auch das Weinfest und der Christkindlmarkt mit Crêpes und Glühwein bringen viel Spaß. Durch die vielen Veranstaltungen entsteht schnell ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Anschluss zu finden, fiel mir leicht.

Holzerband: Die hochschuleigene Band sorgt für Stimmung

Holzerband: Die hochschuleigene Band sorgt für Stimmung

Foto:

Privat

Auch die Mensa ist ein beliebter Treffpunkt. Für den täglichen Mittagsansturm ist sie schon fast zu klein und entsprechend laut, aber das Essen überzeugt. Die Gerichte lassen sich wie an einem Buffet frei zusammenstellen, abgerechnet wird nach Gewicht. Zu meinen Lieblingsgerichten zählen Kaiserschmarrn und Käsespätzle, aber auch die Leberkässemmel zum Frühstück ist bei vielen sehr beliebt. Ein bisschen Klischee, aber wahr.

Als Studentin der Fakultät für Holztechnik und Bau im Abschlusssemester bin ich außerdem Teil einer besonderen Tradition: Ich muss einen speziellen Hut tragen, der nur nach bestimmten Regeln abgenommen werden darf. Wer ohne erwischt wird, muss den ›Hut der Schande‹ tragen.«

Rosenheim in Kürze
  • Rund 65.000 Einwohner:innen, etwa 5500 Studierende

  • Drittgrößte Stadt in Oberbayern

  • Sehenswürdigkeiten: Altstadt, Max-Josefs-Platz, Lokschuppen

  • Berühmtheiten: Sophia Thiel, Siegfried Fischbacher (von Siegfried & Roy), Mark Benecke

Wohnen: WG-Preise und Stadtteile

»Die Wohnungssuche in Rosenheim ist insbesondere zum Semesterstart nicht leicht. Ich hatte immer Glück und habe über Kontakte etwas gefunden, die Suche kann sich aber auch ziehen. Auch die Mietpreise schwanken meiner Erfahrung nach stark. Zwischen 300 und 600 Euro ist alles dabei.

Viele Studierende wohnen zwischen Hochschule und Innenstadt. So auch ich. Für mein 15 Quadratmeter großes Zimmer zahle ich 350 Euro warm. Damit bin ich zufrieden, vor allem wegen der Lage. Von meinem Balkon aus kann ich die Berge sehen, trotzdem brauche ich mit dem Fahrrad nur fünf Minuten in die Innenstadt und nicht einmal zehn Minuten zur Hochschule. Es gibt in Rosenheim aber generell nur wenige Orte, zu denen man länger als 20 Minuten radelt. Ganz in meiner Nähe fließt außerdem der Inn, an dem ich gern entlangspaziere.«

Studieren und Wohnen in Rosenheim

Die TH Rosenheim  ist die einzige Hochschule und bietet Studiengänge in den Fachrichtungen Wirtschaft, Technik, Gestaltung, Gesundheit und Soziales. Neben dem Hauptstandort in Rosenheim gibt es noch drei weitere Campus in Mühldorf am Inn, Burghausen und Chiemgau in Traunstein. Im Wintersemester 2025/26 waren insgesamt mehr als 7.600 Studierende eingeschrieben, der Semesterbeitrag lag bei 97 Euro.

In Rosenheim lag der Medianpreis für ein WG-Zimmer im Sommersemester 2025 bei rund 500 Euro. Das bedeutet: Die Hälfte der Zimmer war günstiger, die andere Hälfte teurer. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts gemeinsam mit dem Portal WG-gesucht. Das Studierendenwerk München Oberbayern  verwaltet in Rosenheim zwei Wohnanlagen. Die durchschnittliche Miete beträgt hier 400,60 Euro, die Wartezeit aktuell rund zwei Semester.

Ausflug mit Ausblick: Brezel, Berge, Bayern

Ausflug mit Ausblick: Brezel, Berge, Bayern

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Privat

Freizeit: Kultur, Kneipe und Club

»Besonders toll an Rosenheim ist natürlich die Nähe zu den Bergen. Von meiner Wohnung aus fahre ich mit dem Auto gerade mal 20 Minuten zum Fuß des Heubergs. Ich bin selbst keine große Wandermaus, finde den Aufstieg aber gut machbar. Anspruchsvollere Touren lassen sich unkompliziert über Apps wie Komoot finden. Auch Skifahren ist im Winter kein Problem.

An einem freien Tag schlendere ich gern durch die Innenstadt. Sie ist bunt und total schön, aber auch überschaubar. Rund um den Max-Joseph-Platz gibt es viele nette Cafés. Abends mag ich die Asta-Kneipe. Sie liegt etwas außerhalb der Innenstadt, veranstaltet aber regelmäßig coole Events wie Poetry-Slams oder kleinere Konzerte. Eine richtige Clubszene hat Rosenheim nicht. Zum Feiern fahre ich deshalb eher nach München. Mit dem Regionalexpress dauert das nur eine halbe Stunde und lohnt sich auch tagsüber an einem freien Tag.

Ausgehen in Rosenheim: Kneipen und traditionelle Feste

Ausgehen in Rosenheim: Kneipen und traditionelle Feste

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Privat

Typisch bayerisch sind das Starkbierfest im Frühjahr und das Herbstfest, das Anfang September auf der Loretowiese stattfindet. Dann kommt gefühlt die ganze Stadt zusammen. Ein eigenes Theater gibt es in Rosenheim nicht, dafür zeigt der Lokschuppen regelmäßig große Ausstellungen zu wechselnden Themen. Aktuell wird dort eine multimediale Ausstellung über die Römer vorbereitet.«

(Mehr oder weniger) Wissenswertes über Rosenheim

»Wenn ich Besuch habe, muss ich regelmäßig das alte Rathaus präsentieren«, erzählt Hoppe. Das liegt allerdings nicht am politischen Interesse ihrer Gäste, sondern an einer ZDF-Sendung. Seit der Erstausstrahlung im Jahr 2002 haben sich »Die Rosenheim-Cops« zu einer erfolgreichen Krimiserie im deutschen Fernsehen entwickelt. Bis heute wurden fast 600 Folgen produziert. Die Drehorte verteilen sich über die gesamte Stadt. Im Rathaus befindet sich die Polizeistation.

Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?

»Der starke Zusammenhalt unter den Studierenden hat die Zeit in Rosenheim für mich sehr besonders gemacht. Ich werde die Stadt also sehr vermissen, wenn ich nach diesem Semester meine Zelte abbreche. Da ich keine Vorlesungen mehr habe, schreibe ich meine Bachelorarbeit anderswo. Wo genau, steht noch nicht fest. Der Zeitpunkt fühlt sich aber richtig an, da auch viele meiner Freund:innen weiterziehen. Ich schließe mich ihnen an.«

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