Barocke Bauten, malerische Grünanlagen, die träge dahinfließende Altmühl – in Eichstätt könnten Märchen verfilmt werden, eine lebendige Studierendenszene vermutet man hingegen eher nicht.
Auch die gebürtige Ingolstädterin Mona Harnack hatte zunächst keine Ahnung, dass es in der Kleinstadt um die Ecke eine Universität gibt. Doch als ihr eine Freundin an einem sonnigen Frühlingstag den Campus zeigte, fühlte sie sich sofort zu Hause. Sie schrieb sich für Grundschullehramt ein.
In den vier Semestern, die sie inzwischen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt studiert, ist der 22-Jährigen Eichstätt noch mehr ans Herz gewachsen.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Der Campus befindet sich an der Altmühl, die durch Eichstätt fließt. Alles ist sehr nah zusammen – die Bibliothek, die Hauptgebäude, die Mensa. Nur die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät liegt etwa 30 Autominuten entfernt in Ingolstadt. Aber ich kenne niemanden, der dort regelmäßig hinpendeln muss.
Altmühl: Fluss durch die Stadt
Foto:Robert Jank / Zoonar / picture alliance
In Eichstätt braucht man von A nach B meistens keine fünf Minuten. Es gibt eine Seminarwiese, wo man in den Pausen abhängen kann, und den Hofgarten. Dabei handelt es sich um einen großen, malerischen Park mit Brunnen und Bänken, der sich perfekt zum Spazierengehen eignet.
Einmal im Jahr nutzt die KU ihn als Veranstaltungsort für das sogenannte Hofgartenfest, ein Open-Air-Event, auf dem Bands spielen und Preise für besondere Leistungen, etwa im Unifußball, verliehen werden.
Unifußball auf der Seminarwiese: Grüne Flächen auf dem Campus
Foto:Privat
Die Mensa besuche ich, auch an freien Tagen, sehr gern. Das Essen ist abwechslungsreich und echt lecker. Nur etwas mehr Salz könnte es vertragen. Ein Gericht kostet zwischen 2,50 und, wenn es etwas Besonderes wie zum Beispiel Stangenspargel mit Sauce Hollandaise gibt, 5 Euro.
Im Sommer kann man draußen auf der Terrasse essen, was superschön ist. Vor allem in der Klausurenphase. Viele Studierende reizen dann die Mittagspause betont aus und entspannen möglichst lange in der Sonne.«
Kreisstadt in Oberbayern
Rund 14.000 Einwohner:innen (Stand 2024), etwa 5000 Studierende
Sehenswürdigkeiten: Willibaldsburg, Eichstätter Dom, barocke Altstadt, Figurenfeld
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Ich bin gern unter Menschen, deshalb habe ich mich vor einem Jahr dazu entschieden, in eine Neuner-WG zu ziehen. Wir wohnen in einem Reihenhaus mit Garten und verbringen viel Zeit zusammen. Immer wenn in Eichstätt ein Event stattfindet, rücken wir gemeinsam an – wie eine Familie.
Mein Zimmer ist 20 Quadratmeter groß. Ich zahle 300 Euro und liege damit im Durchschnitt. In Eichstätt kann man mit 250 bis 400 Euro, je nach Größe und Lage, gut über die Runden kommen. Die günstigen Mietpreise hier empfinde ich als großen Luxus.
Eichstätt liegt in einem Tal, deshalb ist es sehr lang gezogen. Wenn man sich die Stadt auf der Karte anschaut, lebe ich ganz weit westlich, in einem Wohngebiet. Bis zum nächsten Café brauche ich zu Fuß trotzdem nur zehn Minuten. Wenn ich mit meinem E-Bike zum Campus fahre, geht das genauso schnell – obwohl meine WG für Eichstätter Verhältnisse eigentlich recht weit von der Universität entfernt liegt.
Willibaldsburg und Umgebung: Blick über Eichstätt
Foto:Nikolay Devnenski / Dreamstime / IMAGO
Ich bin trotzdem zufrieden mit meinem Standort. Von unserem Haus kann ich auf Eichstätts Wahrzeichen, die Willibaldsburg, schauen. Sie liegt auf dem Frauenberg, den man einen idyllischen Weg entlang hochspazieren kann. Ich liebe es, dort oben mit Freunden zu lesen oder zu picknicken.«
In Eichstätt gibt es nur eine Hochschule: die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt . Dabei handelt es sich um die einzige katholische Universität im deutschsprachigen Raum. Sie wird nicht vollständig, sondern nur zu 85 Prozent vom Staat finanziert. Die restlichen 15 Prozent bezahlt die Kirche. Im Gegenzug vertritt die Universität explizit ein christliches Menschenbild und bemüht sich, die damit verbundenen Werte an ihre Studierenden weiterzugeben.
Trotzdem sind Angehörige aller Religionen und Weltanschauungen willkommen. Laut Mona Harnack spielt der katholische Hintergrund der Universität im Alltag der Studierenden kaum eine Rolle.
Der Semesterbeitrag beträgt aktuell 78 Euro.
Nach Angaben der Universität muss man in Eichstätt mit Mietpreisen ab circa 300 Euro rechnen. Wohnheimzimmer sind zum Teil etwas günstiger. Die meisten Räume verwaltet das gemeinnützige St. Gundekar-Werk .
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Im Sommer bin ich gern im Freibad. Am liebsten gehe ich in der Früh schwimmen, wenn noch nicht so viel los ist.
In der Altmühl kann man kostenlos baden. Aber das mache ich eher selten. Wie die meisten meiner Kommiliton:innen nutze ich den Fluss hauptsächlich als Treffpunkt. Im Sommersemester halten sich dort fast immer Menschen auf. Man verabredet sich oder begegnet sich zufällig.
Das macht Eichstätt so besonders: Wenn ich einkaufe oder durch die Stadt spaziere, treffe ich ständig Freunde. Ich kann überall allein hingehen, zu Partys, auf Events oder in Bars, weil ich weiß, dass ich dort auf bekannte Gesichter stoßen werde.
So auch in die Theke, der Studi-Bar in Eichstätt. Sie ist während des Semesters der Go-to-Ort für Studierende. Es gibt dort einen Biergarten, Getränke, die nicht mehr als drei, vier Euro kosten, und ein umfangreiches Kulturprogramm, das sich aus Veranstaltungen wie Poetry-Slams, Kreativabenden und Partys zusammensetzt.
Klubersatz: Rave auf dem Frauenberg
Foto:Privat
Eichstätts einziger Klub, das Dasda, hat leider vergangenes Jahr zugemacht. Das ist zwar schade, wird aber durch WG-Partys ziemlich gut ausgeglichen. Sie finden regelmäßig statt, oft in großem Rahmen, mit Subwoofer und DJs, die in zig Räumen auflegen.«
Wer durch eine der Sehenswürdigkeiten Eichstätts, den Dom, schlendert und sich dort genau umschaut, stößt auf eine Gedenktafel, die an einen dunklen Fleck in der Vergangenheit der Stadt und des Bistums erinnert: die Hexenverfolgung.
Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert wurden in Eichstätt mehr als 240 Menschen wegen Verdachts auf Hexerei verhaftet – mehr als 85 Prozent davon waren Frauen.
Eichstätt war auch damals eine kleine Stadt und die Umgebung relativ dünn besiedelt. Im Verhältnis dazu forderte die Hexenverfolgung dort ungewöhnlich viele Opfer.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Ich habe gerade die schönste Zeit, die ich bisher in meinem Leben hatte. Deshalb werde ich mich auf keinen Fall durch das Studium stressen, um schnell fertig zu werden. Aber nach meinem Abschluss will ich schon in eine größere Stadt. Ich werde dann wahrscheinlich noch ein Jahr reisen und anschließend in mein Referendariat gehen. Leider nicht mehr in Eichstätt, aber ich beabsichtige, auf jeden Fall ganz oft in meine WG zurückzukommen.«



