Eine verwinkelte Altstadt, ein Schloss und viel Natur drumherum: Nicht nur für Podcaster Tommi Schmidt ist Detmold der »perfekte Wohlfühlort«, auch Studentin Antonia Mütze hat sich schnell in der Stadt am Teutoburger Wald eingelebt. Die 21-Jährige ist in Berlin aufgewachsen, heute studiert sie im sechsten Semester Bratsche an der Hochschule für Musik. An Detmold schätzt sie vor allem die Ruhe und die kurzen Wege.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Die Hochschule für Musik ist in einem alten Palais von 1718 untergebracht, nur wenige Minuten von der Fußgängerzone ›Lange Straße‹ entfernt. Unmittelbar daneben befindet sich der Palaisgarten mit viel Grünfläche, einem kleinen Wasserfall und mehreren Springbrunnen. Dort verbringe ich auch außerhalb der Seminare gern Zeit, um zu lesen oder für ein Picknick. Nördlich des Gartens stehen noch ein paar moderne Hochschulgebäude. Mir gefällt, dass alles so kompakt ist. Im Gegensatz zu Berlin kann ich zwischen den Vorlesungen kurz nach Hause gehen oder durch die Innenstadt schlendern.
Hauptsitz der Hochschule für Musik: Das Palaisgebäude
Foto:Frank Beyer
Auch die Studierendenschaft ist überschaubar. Wir sind etwa 500 bis 600 Menschen aus der ganzen Welt. Die Erstiwoche ist bei uns kein großes Ding. Über die Klassen oder in der Mensa lernt man sich ohnehin schnell kennen. Genauso wie bei den verschiedenen von der Studierendenschaft organisierten Veranstaltungen. Ein Highlight ist zum Beispiel die Asta-WM, ein Fußballspiel im Palaisgarten, und auch die klassische Mensaparty darf zum Semesterstart nicht fehlen. Die Mensa ist okay. Es gibt Gerichte wie die vegetarische Frühlingsrolle, die aus Geschmacksgründen kollektiv abgelehnt werden, aber Nudeln mit Tomatensoße gehen immer.
Neben meiner Hochschule gibt es in Detmold auch die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Sie liegt etwas außerhalb – Berührungspunkte gibt es kaum.«
Rund 74.000 Einwohner:innen, etwa 2800 Studierende
größte Stadt im Kreis Lippe, etwa 35 Minuten von Bielefeld entfernt
Sehenswürdigkeiten: Hermannsdenkmal, LWL-Freilichtmuseum, Fürstliches Residenzschloss
Berühmtheiten: Iris Berben, Frank-Walter Steinmeier, Tommi Schmitt, Matthias Opdenhövel
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Die meisten Studierenden leben in Wohnheimen oder WGs. Mein Freund und ich hatten Glück: Über Kleinanzeigen haben wir eine Wohnung in einem der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt gefunden.
Für 70 Quadratmeter zahlen wir etwa 680 Euro warm, was meines Wissens etwas unter dem Durchschnitt liegt. Detmold ist im Vergleich zu anderen Städten aber generell nicht teuer. Bezahlbaren Wohnraum in netter Lage zu finden, ist hier kein Problem.
Wir leben so wie viele Studierende mitten in der Innenstadt. Direkt unter uns liegt ein Feinkostgeschäft mit kleinem Café. Kulinarisch sind wir also bestens versorgt, auch wenn es manchmal etwas lauter werden kann. Auch zur Fußgängerzone sind es nur ein paar Schritte, zur Uni laufe ich etwa sechs Minuten.«
Die Hochschule für Musik bildet Kreative aus der ganzen Welt in unterschiedlichen Musikberufen aus – darunter Komposition, Instrumental- und Gesangsstudien, Orchesterleitung und -instrumente sowie Lehramt Musik. Für viele Studiengänge ist eine Eignungsprüfung vorausgesetzt.
Daneben gibt es in Detmold einen Campus der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe , deren Studiengänge einen Schwerpunkt auf Gestaltung, Technik, Wirtschaft und Umwelt legen. Insgesamt werden an der TH OWL rund 60 Studiengänge angeboten.
Der Medianpreis für ein WG-Zimmer in Detmold lag im Februar 2024 bei 408 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit WG-gesucht.de und GBI.
Das Studierendenwerk Bielefeld vermittelt Apartments und Zweizimmerwohnungen in zwei Wohnheimen. Eins liegt in der Nähe der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, das andere oberhalb der Hochschule für Musik. Die Preise liegen zwischen 234 und 395 Euro.
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Im Vergleich zu Berlin ist Detmold natürlich sehr klein. Ich finde das angenehm; die Stadt gibt mir Ruhe. Die Altstadt strahlt mit ihren vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern einen besonderen Charme aus. Im Zentrum liegt der Marktplatz, auf dem dreimal pro Woche Händler:innen aus der Region frisches Brot, Blumen oder Käse verkaufen.
Lieblingskneipe Paraplü: Dialekt für »Regenschirm«
Foto:Privat
Leider regnet es in Detmold ziemlich oft. Ein Regenschirm gehört zu den Must-haves, und sogar meine Lieblingskneipe ist danach benannt. Im Paraplü treffen wir uns nach Konzerten, nach einem langen Unitag oder einfach am Wochenende. Abends zieht es viele in die Alte Pauline, einen Klub mit zwei Dancefloors und wechselnden Veranstaltungen. Da es insgesamt nicht so viele Feiermöglichkeiten gibt, treffen wir uns auch oft bei Leuten zu Hause.
Als Studierende der Hochschule für Musik prägen wir das kulturelle Leben in Detmold. Wir bespielen an zahlreichen Abenden das Konzerthaus oder den Brahmssaal im Palais, der Eintritt ist bei den meisten Veranstaltungen kostenlos. Empfehlen kann ich auch einen Besuch des Landestheaters. Ein charmantes Dreispartenhaus mit Oper, Ballett und Theater. Auch um Detmold herum gibt es viel zu entdecken. Der Teutoburger Wald liegt direkt vor unserer Nase, genauso wie das größte Freilichtmuseum in Deutschland. Über 100 Höfe zeigen, wie sich das bäuerliche Leben in den vergangenen 500 Jahren verändert hat. In dieser Kulisse findet auch ein toller Weihnachtsmarkt statt.«
Seit 150 Jahren thront das Hermannsdenkmal über Detmold. Mit einer Gesamthöhe von 53 Metern ist es die höchste Statue Deutschlands – und elf Jahre lang sogar die höchste der westlichen Welt. Erst 1886 musste es die Spitzenposition an die New Yorker Freiheitsstatue abgeben.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Detmold ist eine gemütliche Stadt, die es mir leicht gemacht hat, mich wohlzufühlen. Es hat etwas Familiäres, und ich lebe wirklich gern hier. Was mir manchmal fehlt, sind die vielen internationalen Essensangebote, die ich aus Berlin kenne. Das genieße ich umso mehr, wenn ich meine Familie besuche.
Ich habe noch zwei Semester vor mir und möchte danach meinen Master machen. In der Musik ist es wichtig, sich breit aufzustellen und bei unterschiedlichen Professor:innen zu lernen – deshalb werde ich Detmold wohl verlassen. Ich werde aber immer mit der Stadt verbunden bleiben und fände es schön, für das ein oder andere Projekte zurückzukommen.«




