Das von Mücken übertragene Chikungunya-Virus könnte sich laut einer neuen Studie in weiteren Teilen Europas verbreiten als bislang angenommen. Bisher seien Forschende davon ausgegangen, dass sich der Erreger erst ab einer Temperatur von etwa 16 Grad ausbreitet, berichtet ein Team um Sandeep Tegar vom britischen Centre for Ecology & Hydrology im Fachjournal »Interface« . Ihre Studie kommt nun zu dem Schluss, dass eine Übertragung schon bei etwa 14 Grad möglich ist.
Die höchstmögliche Temperatur liege bei 32 Grad, optimale Bedingungen herrschten bei etwa 26 Grad. Damit seien die Risiken für die öffentliche Gesundheit größer als bislang angenommen, schreiben die Wissenschaftler. Vor allem im Juli und August könnte sich das Virus in weiten Teilen Europas ausbreiten, in südlichen Regionen sogar von Mai bis November. Zu den Gebieten mit dem höchsten Risiko zählen demnach Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Spanien und Portugal. Deutschland wird den Gebieten mit mittlerem Risiko zugerechnet.
Steigende Temperaturen begünstigen Ausbrüche
Chikungunya war ursprünglich auf tropische Regionen beschränkt, breitet sich durch die Klimakrise und die Erderwärmung aber zunehmend aus. Die eingeschleppte Asiatische Tigermücke, Hauptüberträger des Virus in Europa, wird sich Experten zufolge weiter verbreiten.
Lange Zeit wurden auf dem europäischen Kontinent vor allem importierte Fälle gemeldet: Menschen wurden auf Reisen von Mücken gestochen und infizierten sich so. In den vergangenen Jahren gab es allerdings auch Ausbrüche in Europa, etwa in Italien, Frankreich und Spanien. Behörden in Deutschland schlossen eigene Fälle im Sommer 2025 nicht mehr aus. Bislang wurde aber kein Fall bekannt, in dem eine Person vor Ort gestochen wurde.
Chikungunya verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen, auch Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Hautausschlag sind häufig. Meist verschwinden die Symptome binnen weniger Tage. In manchen Fällen halten die Gelenkschmerzen jedoch Wochen, Monate oder sogar Jahre an.
Tödlich ist das Virus nur selten, auch wenn es für chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge gefährlich sein kann. Nach einer überstandenen Infektion sind Patienten nach derzeitigem Kenntnisstand lebenslang immun. Es gibt eine Impfung, die besonders Reisenden in Gebiete mit hohem Infektionsrisiko empfohlen wird.
