Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bittet angesichts des mutmaßlichen Anschlags auf das Berliner Stromnetz um Unterstützung: »Ich glaube, dass es jetzt vor allen Dingen um Bundeshilfe bei den Ermittlungen gehen muss«, sagte sie im RBB-Inforadio. »Die Frage ist: Sind das einfach nur linke Gruppen von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind, oder steckt da mehr dahinter?«
Die Ansichten, die in dem als authentisch eingestuften Bekennerschreiben der mutmaßlichen Täter »Vulkangruppe« veröffentlicht wurden, seien »hochgradig gefährlich«, betonte die Senatorin. Es gehe jetzt um Staats- und Verfassungsschutz. »Es geht nicht nur um einen Angriff auf unsere Infrastruktur, sondern auch darum, dass unsere ganze freie Gesellschaft angegriffen wurde.« Diese linksextreme »Vulkangruppe« hatte sich unter anderem im März 2024 zu einem Brandanschlag auf das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide bekannt.
Sicherheit vor Transparenz
Der Brand an einer Kabelbrücke am Teltowkanal und der darauffolgende Stromausfall wurden den Behörden zufolge durch Brandsätze verursacht. Giffey forderte, Informationen zum Kabelverlauf künftig nicht jedem zugänglich zu machen. »Sie finden sehr viel im Internet«, sagte sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Sicherheit müsse vor Transparenz gehen. Es dürften nicht noch mehr kritische Daten veröffentlicht werden. Zudem müsse man schauen, ob Personen weiterhin einfach so am Teltowkanal-Ufer unterwegs sein können.
Bereits im September war es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, der weite Teile des Berliner Stromnetzes lahmlegte. »Es gab festgelegte Abläufe«, sagte Giffey nun mit Blick auf die Maßnahmen. »Wir können sagen, dass das, was wir dort für die Resilienz der Stromversorgung entschieden und geplant haben, umgesetzt wird und funktioniert.«
Notstromaggregate sollen Krise überbrücken
Von den ursprünglich 40.000 betroffenen Haushalten seien inzwischen etwa 14.500 wieder am Netz. »Heute wird es darum gehen, dass wir weiter an den Baustellen arbeiten. Da sind wir im Zeitplan«, sagte Giffey. Zusätzliche Notstromaggregate sollen dafür sorgen, dass insbesondere Senioreneinrichtungen und Supermärkte wieder ans Netz kommen, »und zwar deutlich vor Donnerstag«.
Linken-Chef hat Mitleid mit frierenden Alten
Der Linken-Chef Jan van Aken hat sich derweil von dem mutmaßlich linksextremistischen Angriff auf die Stromversorgung distanziert. »Das ist eine Aktion, das geht überhaupt nicht«, sagte er in der Sendung »Frühstart« von RTL und ntv. Van Aken kritisierte die Argumentation der möglichen Täter, mit Villenbesitzern in den betroffenen Stadtteilen wenig Mitleid zu haben.
In den Häusern wohnten unter anderem alte Menschen, die nun frieren müssten. »Da habe ich ganz großes Mitleid«, so der Parteivorsitzende. Die Tat gefährde Menschenleben, »das ist überhaupt nicht akzeptabel, und das haben wir klipp und klar gesagt.«
