Eigentlich kennt Johanna Schröder den Weg in ihre Wohnung gut. Doch im Moment ist alles anders in Zehlendorf. Denn der Südwesten Berlins erlebt den längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte. Die 88-Jährige kehrt nur kurz nach Hause zurück. Es ist Montagabend. Tag 3 ohne Strom. Und auch die Heizung läuft nicht richtig. Schröder will ein paar Habseligkeiten abholen.
Johanna Schröder, Rentnerin:
Das ist ja ein Abenteuer.«
Annette Blömer, Gastgeberin:
»Brauchen Sie nicht Medikamente?«
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Nein.«
Länger hält es die Seniorin hier nicht mehr aus. Johanna Schröder zieht um – zu den Blömers, die sie erst seit einer halben Stunde kennt. Das nächste »Abenteuer« beginnt.
Rückblick: In der Emmaus-Gemeinde in Zehlendorf bieten Freiwillige seit Tagen warmes Essen an und vor allem: Strom –nun ein sehr begehrtes Gut. Ein Handy hat Johanna Schröder nicht. Deshalb wusste sie zu Beginn des Blackouts erst einmal gar nicht, was los ist. Radio und Telefon waren tot, die alte Dame musste improvisieren – und ging schließlich ins Gemeindehaus.
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Letzte Nacht war nicht gut, ich habe echt gefroren und meinen dicksten Pullover angezogen, und dann bin ich hier gelandet. Hier wird man also wirklich gut versorgt.«
Auch mit einem Schlafplatz. Frank und Annette Blömer haben ihr Gästezimmer angeboten. Am Montagabend treffen sie ihre neue Mitbewohnerin. Erstes Abtasten.
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Sie wussten ja nicht, was auf Sie zukommt.«
Annette Blömer, Gastgeberin:
»Nein, aber wir lassen uns mal überraschen.«
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Eben, Sie sind ja noch so jung.«
Und dann geht es gemeinsam zu den Blömers. Sie wohnen nur wenige Minuten entfernt.
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Jedes Mädchen hat ein Zimmer gehabt.«
Frank Blömer, Gastgeber:
»Ja, genau.«
Die zwei Töchter des Ehepaars sind schon aus dem Haus, an Platz mangelt es nicht. Heißer Tee zum Ankommen, die neue WG wird langsam warm miteinander.
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Das sind so angenehme Gastgeber, dass ich mich da bestimmt wohlfühlen werde oder schon tue.«
Annette Blömer, Gastgeberin:
»Wir haben überlegt: Wie viele Menschen können wir aufnehmen, was ist plausibel bei uns, was noch in den Tagesablauf passt. Und da haben wir gesagt: So ein bis zwei Menschen können ja bequem in dem Zimmer übernachten. Und mehr haben wir uns eigentlich nicht überlegt. Der Rest findet sich in der Regel.«
Dienstagmorgen. WG-Frühstück bei den Blömers – und Abschiedsstimmung. Das neue Haus, das fremde Bett, es war doch zu viel für Johanna Schröder. Es zieht sie nach Hause, obwohl ihr etwas mulmig ist.
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Ein bisschen bängelig, bisschen bange, dass es doch noch kalt ist da und ich dann da noch weiter bleiben muss.«
Frank Blömer, Gastgeber:
»Gesetzt den Fall, dass es doch noch kalt und nicht wieder hergestellt ist, kann sie jederzeit erneut hier übernachten.«
Die Blömers haben Verständnis für die Rentnerin. Herr Blömer bringt Johanna Schröder nach Hause.
Johanna Schröder, Rentnerin:
»Jetzt fühle ich mich richtig alt.«
Die Gastgeber versprechen: Wenn sie es sich anders überlegt, kann Johanna Schröder jederzeit zurückkommen.