SpOn 06.01.2026
08:35 Uhr

Stromausfall in Berlin: BDI verlangt besseren Schutz kritischer Infrastruktur


Berlin kämpft noch immer mit den Folgen des Brandanschlags auf das Stromnetz. Der Industrieverband BDI erhebt nun Vorwürfe gegen die Politik. Die habe nicht genug gegen wachsende Gefahren getan.

Stromausfall in Berlin: BDI verlangt besseren Schutz kritischer Infrastruktur

Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz  führt zu scharfer Kritik am Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) prangert vor allem Transparenzpflichten für entsprechende Einrichtungen an.

»Transparenz darf nicht dazu führen, dass Angriffsflächen eröffnet oder Verwundbarkeiten für potenzielle Angreifer sichtbar werden«, sagte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. »Sicherheitsrelevante Details dürfen weder öffentlich zugänglich sein noch in falsche Hände geraten.«

Der Bundestag berät derzeit über eine Reform gesetzlicher Regelungen, bei denen es um den Schutz sogenannter kritischer Infrastruktur geht (Kritis-Dachgesetz). Dazu gehören Bereiche, die die Versorgung mit als unentbehrlich geltenden Gütern und Dienstleistungen sicherstellen. Neben der Energie- und Wasserversorgung gehören dazu unter anderem die Ernährungswirtschaft und das Gesundheitswesen. Die Reform könnte auch Gelegenheit bieten, die aktuellen Transparenzpflichten neu zu regeln.

BDI: Überhastetes Verfahren

Der aktuelle Entwurf des Kritis-Dachgesetzes, der einheitliche Regeln zum Schutz kritischer Infrastrukturen vorsieht, werde der realen Bedrohungslage wiederum nicht gerecht, kritisierte Lösch. Statt eines klaren und wirksamen Schutzrahmens setze er auf zusätzliche Regulierung und ein überhastetes Verfahren mit einer zu kurzen Einbeziehung von Experten. »Kritische Infrastrukturen lassen sich so nicht resilient machen«, warnte Lösch.

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Es müsse eine grundlegende Neubewertung der Sicherheitslage geben. »Gezielte Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung, Logistik oder Kommunikation sind längst Realität«, sagte er. Solche hybriden Bedrohungen träfen das Rückgrat der Wirtschaft und seien ein direkter Angriff auf die staatliche Handlungsfähigkeit und die Gesamtverteidigung. Die Politik reagiere bislang nicht ausreichend auf diese wachsenden Gefahren.

Das Kritis-Dachgesetz wurde im September 2025 von den schwarz-roten Koalitionspartnern im Kabinett beschlossen. Der Entwurf befindet sich derzeit in der parlamentarischen Beratung – und zog dabei scharfe Kritik auf sich .

So hatte bei der Anhörung vor wenigen Wochen der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz auch konkret vor den bestehenden Transparenzpflichten gewarnt . Bislang müssten Betreiber Planungs- und Infrastrukturunterlagen offenlegen, dies stehe »in einem deutlichen Zielkonflikt mit dem Schutz dieser Infrastrukturen«.

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apr/dpa