In der Kolumne »Haltungsnote« würdigen oder kritisieren wir jede Woche besondere Auftritte in der Sportwelt.
Mohamed Salah hat sich beim FC Liverpool den Beinamen »König« verdient, der ägyptische Superstar hat in acht Jahren in mehr als 300 Ligaspielen für den Klub 188 Tore erzielt. Er musste sich in all der Zeit kaum öffentlich äußern, konnte huldvoll gegenüber den Medien schweigen. Könige dürfen das. Könige sind unangreifbar.
Aber plötzlich ist alles anders. Der Klub ist in der sportlichen Krise, der Trainer Arne Slot setzt nicht mehr auf Salah, er setzt auf andere. Ein König steht vor der Abdankung.
Fußballer Salah und Trainer Arne Slot
Foto: Jason Cairnduff / Action Images / ReutersSalah kann die Welt nicht mehr verstehen, am Wochenende hat er seinen Frust herausgelassen, sich bitterlich beklagt. Seitdem ist nicht nur in Liverpool die Hölle los. Salah habe sich vereinsschädigend verhalten, heißt es, Slot hat ihn aus dem Kader für die Champions League gestrichen. Ex-Liverpool-Publikumsliebling Jamie Carragher nennt Salahs Verhalten eine Schande. Es kann sein, dass Salah nie mehr für Liverpool aufläuft.
Sicherlich: Bei seiner Wutrede spielte auch gekränkte Eitelkeit mit. Einer, der dachte, es ginge nicht ohne ihn, muss jetzt erfahren, dass auch er als ersetzbar gilt.
Die Branche beschwört das Mantra. Kein Spieler ist größer als der Klub. Salah hat mit seinem Zornesausbruch dagegen verstoßen, darum bekommt er jetzt die Mechanismen des Fußballs zu spüren. Der Sport, der immer so gefühlig tut, ist knallhart. Verdienste, und wenn sie über Jahre erworben wurden, zählen nichts mehr.
Sich dagegen zu wehren, aus dem Schema auszubrechen, zu sagen, wie elendig man sich mit alldem fühlt, wie gekränkt man ist, einfach so aus dem Raster zu fallen – es ist wohltuend, wenn jemand das macht.
Auch wenn alle sich bemühen, Salah wieder einzufangen. Auch Könige haben Gefühle.

