SpOn 18.08.2026
16:16 Uhr

Streik: Ver.di droht mit Arbeitskampf im Supermarkt


»Verdienen mehr Wertschätzung als den Mindestlohn«: Weil die Arbeitgeber ihrer Meinung nach zu wenig zahlen, könnte die Gewerkschaft Ver.di bald wieder Geschäfte bestreiken. Einzelne Supermärkte sind besonders im Visier.

Streik: Ver.di droht mit Arbeitskampf im Supermarkt

Beim Wocheneinkauf stehen Kunden bald womöglich vor verschlossenen Türen: Die Gewerkschaft Ver.di ist bereit, den Arbeitskampf im Einzelhandel deutlich auszuweiten. Hintergrund ist die seit April laufende Tarifrunde, in der es trotz zahlreicher Verhandlungstreffen noch kein Ergebnis gibt. »Wenn sich die Arbeitgeber in den nächsten Wochen nicht bewegen, werden wir die Streikmaßnahmen intensivieren«, sagte Verdi-Vorständin Silke Zimmer der »Süddeutschen Zeitung«  (»SZ«). Denkbar sei, dass Mitarbeiter dann mehrere Tage ihre Arbeit niederlegen. »Dabei nehmen wir gezielt diejenigen Unternehmen ins Visier, die die Verhandlungen blockieren.«

Ver.di fordert sieben Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, sie sollen mindestens 14,90 Euro pro Stunde verdienen. Der Tarifvertrag gilt nach Angaben der Gewerkschaft für etwa ein Viertel der mehr als drei Millionen Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel. Ver.di begründet die Forderung unter anderem mit den Preissteigerungen der vergangenen Jahre und dem Beginn des Kriegs zwischen den USA und Iran, in dessen Folge sich Benzin und Diesel stark verteuerten. Die Inflation werde in diesem Jahr auf etwa drei Prozent steigen, prognostizieren Ökonomen, im Juli kletterte sie im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits auf 2,8 Prozent.

Manche Supermarkt- und Discounterketten wie Aldi und Lidl werden dabei wahrscheinlich eher nicht betroffen sein – sie zahlen ihren Beschäftigten nach eigenen Angaben schon jetzt übertarifliche Vergütungen. Bei Beschäftigten von Rewe- und Edeka-Märkten wiederum könnte ein Streik drohen, hier sind die Bedingungen oft etwas schlechter. In dieser Tarifrunde hat es zudem schon Warnstreiks bei Kaufland und beim Möbelhaus Ikea gegeben.

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Die Arbeitgeber haben der Gewerkschaft zuletzt 4,4 Prozent Lohnsteigerungen angeboten . Es gebe kaum Spielraum, sagte der Tarifgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Steven Haarke, laut »SZ« vor Verhandlungsbeginn. »Diese Verdi-Forderungen gehen in der aktuellen Situation leider an der Realität von vielen Einzelhandelsunternehmen vorbei.«

Ein besonderer Streitpunkt in den Tarifverhandlungen kreist um die Lage jüngerer Verkäuferinnen und Verkäufer. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei so niedrig, dass ihre Gehälter in einigen Regionen faktisch vom Mindestlohn eingeholt würden, den die Bundesregierung zum 1. Januar 2027 von derzeit 13,90 auf 14,60 Euro pro Stunde erhöhen will. »Das ist ein Skandal«, sagt Zimmer, schließlich hätten die meisten Beschäftigten im Einzelhandel eine abgeschlossene Berufsausbildung. »Sie verdienen mehr Wertschätzung als den Mindestlohn.«

Der HDE wiederum argumentiert, die Tarifbeschäftigten bekämen »nahezu flächendeckend« Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dies eingerechnet, liege das Einstiegsgehalt schon heute deutlich über dem vom kommenden Jahr an gültigen Mindestlohn.

esk